Wiarda wundert sich_32_Herr Lehrerin
Shownotes
DIE KINDER SIND NUN MAL DA. Sie kommen aus der Ukraine, aus Syrien, Rumänien oder Moldawien, manche können lesen und schreiben, andere kaum, manche haben jahrelang eine Schule besucht, andere fast nie. Wenn sie in Deutschland ankommen, landen viele von ihnen zunächst in einer Willkommensklasse. Aber wie gut funktioniert dieses System? Wie bringt man Kindern gemeinsam Deutsch bei, deren Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein könnten? Und wie viel Gelassenheit braucht es, damit Schule unter solchen Bedingungen funktioniert?
Einer, der davon erzählen kann, nennt sich "Herr Lehrerin". Seinen wirklichen Namen verrät er nicht, weil er seinen Job weiter in Ruhe machen möchte. Er ist Quereinsteiger und unterrichtet seit vier Jahren Deutsch in einer Willkommensklasse. Jetzt hat er ein Buch über seinen Schulalltag geschrieben: "Komm, ist Spaß, Herr Lehrerin. Der ganz normale Ausnahmezustand vom Schulalltag zwischen den Kulturen".
In einer neuen Folge von "Wiarda wundert sich" erzählt Herr Lehrerin von einem System, das Zuwanderung noch immer ein Stück weit als Ausnahme behandelt. Von Willkommensklassen, die räumlich und organisatorisch am Rand der Schulen liegen. Von Kindern, deren Familien Schule aus ganz anderen Gründen fernbleiben, als Debatten über "Schulverweigerer" vermuten lassen. Und von Lehrkräften, die jeden Tag neu entscheiden müssen, welche Regeln unbedingt gelten – und welche man besser nicht zum alles entscheidenden Prinzip erhebt.
Herr Lehrerin sagt, ihn fasziniere an seiner Arbeit gerade das Unberechenbare. Er habe "ein bisschen Sinn für den ganzen Wahnsinn". Für die unterschiedlichen Biografien und Sprachverwirrungen, für überraschende Begegnungen und auch für die Absurditäten eines Systems, das es den Kindern manchmal unnötig schwer mache.
Beispiel Unterrichtsplanung: In der Sprachdidaktik, sagt Herr Lehrerin, gebe es genaue Vorstellungen davon, wann welche grammatische Form eingeführt werden sollte. Das Perfekt, erzählt er, sei demzufolge eigentlich erst später vorgesehen. Für ihn kollidiere das mit dem Alltag. Schließlich redeten die Kinder jeden Morgen darüber, was sie am Tag zuvor erlebt hätten. "Das Kind hat doch ein Recht auf Vergangenheit", sagt er. Und auch ein Anfänger könne sagen: "Ich habe Döner gegessen."
Viel von seinem Umgang mit den Kindern lässt sich daran ablesen. Regeln sind wichtig, aber eben nicht wichtiger als die Kinder. Und manchmal hilft Improvisation mehr als das Festhalten am Plan.
Das gilt auch für Gewalt und Sprache. Bei regelmäßiger Gewalt, Rassismus oder Antiziganismus müsse man klar einschreiten, sagt Herr Lehrerin. Aber wer aus jedem Streit und jedem Schimpfwort eine pädagogische Großintervention mache, komme nicht mehr zum Unterrichten. Würde er bei bestimmten Kraftausdrücken "Zero Tolerance" praktizieren, schreibt er in seinem Buch, bliebe vor allem: "Zero Unterricht".
Dann sind da Kinder, die während der Schulzeit zu Behördenterminen mitmüssen, weil ihre Eltern kein Deutsch sprechen – mitunter sogar auf Verlangen der Behörden. Auch darin zeigt sich für Herr Lehrerin ein Widerspruch in den Diskussionen über Schuldistanz: Wie überzeugend vermittelt der Staat den Kindern eigentlich wirklich, dass er sie unbedingt in der Schule haben will?
Herr Lehrerin spricht durchgehend liebevoll über seine Schülerinnen und Schüler. Dabei ist er weder naiv noch zynisch. Er setzt klare Grenzen, bleibt aber neugierig auf ihre Eigenheiten, ihre Geschichten und ihren Witz. Von der verbreiteten Klage darüber, wie schwierig Kinder und Jugendliche heute seien, hält er wenig: "Es sind nun mal die Kinder, die jetzt da sind."
Dazu passt die Geschichte vom "Gucci-God": Weil Caps im Unterricht verboten sind, verweisen einige Jungen auf das Kopftuch einer Mitschülerin, das diese aus religiösen Gründen tragen darf, und erklären kurzerhand, sie glaubten an den "Gucci-God". Ihre Kappen dürfen sie trotzdem nicht aufbehalten. Herr Lehrerin erzählt die Episode nicht als Kulturkampf, sondern mit einem Schmunzeln. Vielleicht, sagt er, müsse man nicht jede Beobachtung sofort zum gesellschaftspolitischen Großproblem erklären.
Und diese Haltung prägt sein Buch. "Komm, ist Spaß, Herr Lehrerin" ist gerade kein Buch darüber, wie schlimm alles geworden ist. Ihn nerve dieses "wahnsinnig Problemorientierte", sagt Herr Lehrerin. Sein Pseudonym verdankt er übrigens seinen Schülerinnen und Schülern, bei denen irgendwann "Herr Lehrerin", "Frau Lehrerin" und "Frau Herr Lehrerin" durcheinandergingen. Die gewisse Unernsthaftigkeit darin gefalle ihm. Wer als Lehrkraft sein Selbstwertgefühl davon abhängig mache, dass jede Stunde funktioniere, sei schnell deprimiert. "Wenn man sich ein bisschen auf das Chaos einlässt, dann geht's."
Ein Podcast über Willkommensklassen, die Widersprüche des Schulalltags und die Kunst, Probleme ernst zu nehmen, ohne sich von ihnen die Freude an den Menschen verderben zu lassen.
Und wenn er einen einzigen Wunsch an die deutsche Bildungspolitik frei hätte? Keine Strukturreform, kein Förderprogramm. Herr Lehrerin wünscht sich: "mehr gute Laune".
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:14: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Viada Wunderzig.
00:00:18: Ein Fragensteller, ein Gast – ein aktuelles Thema!
00:00:21: Der Fragen-Steller das bin ich, Martin Viader, Journalist für Bildung und Wissenschaft.
00:00:26: Mein Gast heute nennt sich Herr Lehrerin.
00:00:29: unter diesem Zeugenum hat er einen wie ich finde ziemlich spannendes Buch geschrieben über dass wir gleich reden werden.
00:00:34: seinen wirklichen Namen wird er auch in diesem Podcast nicht nennen, denn der will seinen Job weiter in Ruhe machen können.
00:00:41: Also hallo Herr Lehrerin!
00:00:43: Hallo Herr Viada.
00:00:45: Sie sind Quereinsteiger in den Lehrerberufs, sie haben an Universitäten und Sprachschulen gearbeitet und richten heute Deutsch in einer sogenannten Willkommensklasse.
00:00:55: Komm ist Spaß Herr Lehrerinnen, der ganz normale Ausnahmezustand vom Schulalltag zwischen den Kulturen heißt ihr gerade erschienendes Buch und erzählt von einem Schuljahr mit Kindern, die aus ganz unterschiedlichen Ländern und Lebenssituationen nach Deutschland gekommen sind.
00:01:10: Unter anderem geht es darin auch darum warum sie eigentlich Herr Lehrerinnen genannt werden aber dazu später.
00:01:17: erstmal zu ihnen persönlich.
00:01:19: Quereinsteiger sind ja in den Schulen im Augenblick ein Stück weit in Mode kann man sagen.
00:01:25: Stichwort Lehrermange.
00:01:26: was haben Sie gemacht bevor Sie Lehrer wurden?
00:01:30: Ich war tatsächlich einige Jahre lang Deutsch als Frenzsprachlehrer in einer reinen Onlinesprachschule.
00:01:38: Für Erwachsene, also ein ganz anderes Klientel eher junge Berufstätige die nach Deutschland kommen und im Job gar nicht unbedingt Deutsch brauchen weil es meist auf Englisch läuft und die dann als Ad-On einfach sich diesen schicken Deutschkurs leisten.
00:01:59: Das hat mich schon sehr fasziniert und sehr viel Spaß gemacht, weil man natürlich immer Themen braucht.
00:02:03: Und dann ging es immer um die ganzen Biografien und Herkünfte der Schüler so dass das eigentlich fast ja das konsequent weitermachen nur mit kleineren Menschen jetzt.
00:02:19: Und natürlich nicht.
00:02:20: Dass Sie dieses Thema Deutsch als Zweitsprache erwähnen Sprachschulen ist hier auch ein... durchaus hartes Einkommen manchmal nicht.
00:02:28: Ich habe da auch früher mal Artikel drüber geschrieben über Deutsch als Zweitsprache, Lehrerinnen und Lehrer und deren prekäres Einkommen.
00:02:38: was ist.
00:02:39: Es ist kein einfaches Geschäft oder?
00:02:41: Tatsächlich hab ich das auch von vielen gehört.
00:02:44: bei mir war es jetzt auch nicht so rosig aber relativ gut.
00:02:48: Das war eine sehr lehrerfreundliche Sprachschule.
00:02:52: Das fand ich ganz interessant.
00:02:54: Die Besitzerin sagt mir halt ganz zu Anfang mal, wir müssen uns mal eher an den Psychotherapeuten orientieren als Sprachlehrer weil das sind wir zum großen Teil auch für unser Klientel jetzt vielleicht ein bisschen übertrieben.
00:03:09: aber ihr hattest irgendwie halbwegs hingekriegt ihre Leute auch gut zu zahlen.
00:03:14: und was hat sie dann in die Schule?
00:03:17: Für Kinder gepusht wenn es doch eigentlich gut war?
00:03:20: Ja, es war doch kein festes Einkommen.
00:03:23: Es ging zwar mal gut, mal schlechter und dann mit Kindern und Familien, weil die Verlockung doch dann groß als es das Angebot gab da sich einmal ganz zu committen.
00:03:38: Und tatsächlich habe ich auch festgestellt dass es mir wirklich sehr viel Spaß macht im Feld mit den richtigen Menschen nicht nur mit ihren Videos zu arbeiten.
00:03:52: Gleich am Anfang fragen sie die Schulverwaltung singemäß.
00:03:56: Glaubt ihr eigentlich wirklich, dass irgendwann keine Menschen mehr ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland kommen?
00:04:01: Behandelt das deutsche Suh-System also Zuwanderung immer noch wie ein vorübergehenden Ausnahmezustand?
00:04:07: so nach Motto geht wieder weg.
00:04:09: ist es hier Eindruck, dass wir das immer noch denken oder das Schul Verwaltung das immernoch denkt?
00:04:15: Also ich kriege ja nur so Einzelstimmen mit aus diversen Fortbildungen, die wie man ja besucht wo man Leute von anderen Schulen trifft oder Netzwerken und da hört man schon weiterhin dass dieses ganze das Bereich sehr stiefmütterlich behandelt wird.
00:04:34: Von vielen Lehrern dass sie als Vertretungskräfte eher missbraucht werden.
00:04:39: es gibt Willkommensklassen die existieren nur auf dem Papier.
00:04:43: Die Kinder sitzen eigentlich in irgendwelchen Klassen, in der letzten Reihe.
00:04:47: Die Lehrer werden irgendwo zur Vertretung rangezogen und das Bild ist schon sehr auffällig.
00:04:54: Das würde mich jetzt wundern wenn es so einzelt stimmen wären die das übertreiben gibt bestimmt auch Ausnahmen wahnsinnig viele sehr engagierte Leute.
00:05:03: aber so richtig also selbst den Regelschulen was man hört ne?
00:05:07: Das ist die Förderung von Kindern mit Deutschproblemen ist nicht so richtig.
00:05:12: Vorrangig habe ich das Gefühl, dass...
00:05:16: Vorbei richtig reinschauen in Ihre Klasse die Sie da hatten.
00:05:19: Ist das eigentlich ein gutes Konzept was wir haben?
00:05:22: Mal global gefragt, Willkommensklassen wo die Schülerinnen und Schüler, die kein Deutsch sprechen erst mal unter sich sind Und dann irgendwann dürfen sie dann oder werden sie auf die übrigen Schülerin und Schüler losgelassen um es mal so zu sagen ist das ein gutes konzept?
00:05:39: Es ist glaube ich, ist jetzt sicherlich eine Notlösung.
00:05:42: Also ich weiß nicht über meine Kindheit in den achtziger Jahren oder auch noch bei meinem Sohn in der Schule, wenn dann ein Kind kein Deutsch kann in der ersten Klasse.
00:05:52: Dann kann das nach einem Schuljahr in der Regel Deutsch.
00:05:56: Das ist natürlich besser.
00:05:58: aber man liest ja manchmal in der Presse... dass das einfach viel besser ist, also alle sollen integriert werden und nicht separiert.
00:06:08: Das ist natürlich im Prinzip besser.
00:06:10: aber wenn es dann zu viele sind – ich habe ein Bekannter, da saßen plötzlich zehn Kinder ohne Deutschkenntnisse in der ersten Klasse beim Sohn – das ist ja auch nicht der Sinn der Sachen.
00:06:21: Deswegen ist es denke ich eine ganz gute Notlösung, wenn man darauf achtet, dass die Kinder danach und nach integrierede werden.
00:06:29: Wobei das natürlich auch mit dieser Verteilung, wie Sie gerade gesagt haben, zehn Kinder in einer Klasse.
00:06:33: Auch daran liegt, weil wir die Kinder so ungleich verteilen.
00:06:36: Wenn wir anschauen, wie viele Datskinder wir haben auf die ganze Schülerpopulation gesehen wären das wahrscheinlich nie pro Klasse mehr als zwei oder drei, wenn sie sich nicht beilen würden in bestimmten Stadtvierteln und in bestimmte Schularten dann auch.
00:06:57: Muss man wahrscheinlich auch fairerweise sagen, wir verteilen sie auch nicht gleichmäßig.
00:07:02: Ja also da fehlen mir die Zahlen aber das werden Sie das sagen dann ist das sicher so.
00:07:06: Aber um vielleicht nochmal auch ein bisschen für die Willkommensklassen zu sprechen Ist dass es... Also ich das Gefühl habe, dass es vielen schon gut tut Dass sie erstmal so ein bisschen im kleinen geschützten Raum sind.
00:07:19: Vielleicht kann man das auch noch Ein bisschen einschränken Das man sagt bis sie ein bisschen Deutsch können und nicht dieser A zwei Prüfungen bestehen, das sind so Details.
00:07:29: Aber wenn man dann auch schon Geschichten hört von Leuten und Deutschkindsnisse die in der letzten Reihe abgesetzt werden in Regelklassen und irgendwie ab und zu einen Deutschförder-Kopie vorgelegt bekommen Dann ist es wieder ganz schön wie wir's machen.
00:07:50: Schreiben Sie in Ihrem Buch dass Ihre Willkommensklasse nicht mitten in der Schule sitzt?
00:07:56: sondern die sitzt ja auch irgendwie versteckt ein bisschen.
00:07:59: wo genau?
00:08:00: Ja, das ist jetzt in den Werkstätten im alten quasi die Altschulgebäude hinter dem neuen Schulhaus und das ist natürlich jetzt nicht das Ideal.
00:08:16: Das hört man schon auch öfters dass sie quasi versteckt werden Willkommensklassen.
00:08:22: Regelklassen, Eltern, Zeug für ganz überrascht sind.
00:08:24: Wenn sie erfahren das es eine Willkommensklasse gibt, erzählt mir auch eine Lektorin dass das bei ihr so war.
00:08:31: Das ist jetzt aber auch bestimmt nicht die Regel.
00:08:33: also ich kenne halt nur Einzelverdenner.
00:08:35: aber das ist natürlich nicht der Sinn der Sache dass man diese Kinder dann noch in der Pause versteckt
00:08:41: und
00:08:41: später zum Unterricht kommen lässt.
00:08:44: Sie schreiben da so schön an einer Stelle hören dann ihre Schüler draußen die Regelschüler wie sie schreiben aus der normalen Welt, da scheitern so ein bisschen normale Welt rüber.
00:08:54: Ja und in die sollen sie natürlich möglichst schnell rein.
00:08:58: Aber es ist wirklich so das... Es ist ja kein Spoiler wenn ich das sage dass alle, die das dann bei uns hinter sich haben nach ein bis anderthalb Jahren, es kommt immer die Rückmeldung, dass die gut dann in ihren Regelklassen ankommen.
00:09:15: Und sowohl jetzt, das merke ich das oder sagen andersrum.
00:09:17: Das was sich beim Lesen des Buches schon gemerkt hat, merke auch jetzt sie reden sehr liebevoll über ihre Schülerinnen und Schüler gibt natürlich auch viele Lehrkräfte im deutschen Bildungssystem die eher sagen Mensch es wird alles immer schwieriger und die Herausforderungen sind so groß und die vielleicht auch sagen wenn doch meine Schüler eher so wären und nicht so.
00:09:39: Das höre ich bei ihnen nicht.
00:09:41: also Ich habe erst mal sehr großen Respekt vor Lehrern die mit Reißig Schülern zurechtkommen.
00:09:47: Das ist natürlich ein bisschen Luxus.
00:09:48: in der Willkommensklasse, also maximal zwölf sind wir jetzt und ich habe auch so einen gewissen.
00:09:55: Ja wie soll man das nennen?
00:09:57: Ist es nicht voyeuristisch?
00:09:58: aber Ich hab ein bisschen Sinn für diesen ganzen Wahnsinn.
00:10:00: Also ich habe ein bisschen Spaß dran mich darauf einzulassen diese wirklich zum Teil sehr originellen Welten kennenzulernen.
00:10:09: Aber es gibt natürlich auch Grenzen vor allem wenn's jetzt um psychische Erkrankungen geht, die noch nicht diagnostiziert sind und sowas.
00:10:19: Da stößt man dann... Also dann ist der Spaß auch irgendwann vorbei.
00:10:23: Deswegen war ich mit dem Titel jetzt nicht nur zufrieden.
00:10:27: Ich dachte das ist ja kein Spaßbuch, kein reines Spaßbuch.
00:10:30: Das sind ja auch ernste Geschichten.
00:10:33: aber trotzdem also grundsätzlich mag ich sehr gerne die Kinder mit allen grünen Geschichten, die sie mitbringen genug Lehrer, die das überhaupt nicht lustig finden.
00:10:45: Ich finde nur diese Betroffenheit bringt einen nicht weiter und diese Versessenheit auf Funktionieren und Regeln erst recht nicht.
00:10:53: Also das weiß man ja eigentlich wenn man selber Kinder hat.
00:10:56: also die müssen ja nicht immer am Tisch sitzen genauso in der Schule.
00:11:01: Und genau dieses leichte Schmunzeln es ist kein Spaßbuch Aber trotzdem muss man schmunzeln können.
00:11:06: und trotzdem muss mal irgendwie auf die Kinder gucken können.
00:11:09: Und auf die Geschichten, die man erlebt.
00:11:10: An der Stelle vielleicht erzählen Sie doch mal wie sind sie denn zu dem Titel Herr Lehrerinnen gekommen?
00:11:16: Das hat sich tatsächlich so aus dem... Also die Kinder haben mich einfach so genannt irgendwann.
00:11:23: Es ging alles irgendwann durcheinander.
00:11:24: Herr Lehrerin, Frau Lehrerin und Frau Lehrlerin.
00:11:28: Dann dachte ich mir das ist eigentlich das passende Pseudonym weil es so ja gewisse Unernsaftigkeit transportiert.
00:11:38: Bei den Kindern die Unernshaftigkeit bei ihnen aber auch so ein bisschen nach dem Motto, man muss sich auch nicht immer so wichtig nehmen vielleicht?
00:11:44: Ja ich glaube das ist auch eine Überlebensstrategie mit den Kindern.
00:11:48: also wenn man da seinen Selbstwertgefühl daraus sieht dass jede Stunde funktioniert dann ist man ziemlich schnell sehr deprimierend.
00:11:58: Aber wenn man sich ein bisschen auf das Chaos einlässt.
00:12:03: Also wie gesagt, manchmal ist es auch hart an der Grenze.
00:12:06: Aber man kommt glaube ich schon sehr viel weiter mit ein bisschen Gelassenheit.
00:12:11: Ich will jetzt nicht zuviel aus dem Buch verraten aber vielleicht so zwei drei Personen oder Schülerinnen die mir in Irrung geblieben sind.
00:12:22: Melanie zum Beispiel Die war auf einer Klassenliste lange Zeit, aber kam praktisch gar nicht zur Schule.
00:12:31: und Vielleicht erzählen Sie doch mal ein bisschen, was war da der Grund?
00:12:36: Und das finde ich nämlich ein gutes Beispiel dafür, wo man auf der einen Seite Verständnis haben muss für die Schülerinnen und ihre Probleme.
00:12:45: Auf der anderen Seite aber dann doch auch irgendwie... Erhört er Spaß irgendwann auch auf.
00:12:51: Erzählen sie vielleicht mal ganz kurz über Melanie.
00:12:54: Also im Großen und Ganzen das Thema Schuldistanz.
00:12:57: Aber jetzt weniger, was man vielleicht so aus der Presse viel kennt Teenager, die einfach nicht kommen wollen.
00:13:05: Sondern eben Familien, wo es Schulbildung einfach keine große Rolle spielt.
00:13:11: und da gab's einmal ein Mädchen, die trotz aller Anzeigen einfach nicht auftauchte und dann aber doch wieder auftaucht und dann nach einem Gespräch mit dem Vater dann auch regelmäßig auftaucht.
00:13:27: Und es kam so ein bisschen raus, dass sie die nicht alleine zur Schule gehen lassen wollten weil sie Angst hatten.
00:13:34: Vielleicht war das auch ein bisschen vorgeschoben aber sicherlich war auch etwas dran.
00:13:39: und dann kam wirklich diese Frage bei einem Elternabend soll sie wirklich lesen und schreiben lernen wo man dann eigentlich so eine Arrogantes Lachen entfährt einem sofort wie dumm ist denn dieser Mensch?
00:13:54: Das war eine ernsthaft gestellte Frage.
00:13:56: Und wenn man dann bedenkt, dass vielleicht die ganze Familie nicht lesen und schreiben kann... ...und noch nie konnte, dann ist es gar nicht mehr so absurd!
00:14:05: Die kamen dann regelmäßig zur Schule und zog aber wieder um bevor sie fertig war für die Regelklasse.
00:14:12: Aber eben das ist wirklich ein sehr spannendes Thema.
00:14:17: Sehr oft Familien sind so aus... Moldavien, Rumänien also mit Roma-Hintergrund muss einfach in vielen Familien was mir auch die äh wie nennt man die dann?
00:14:31: Also eine Mediatorin gesagt hat das einfach in vielem Familienschulbildung nicht an erster Stelle steht.
00:14:37: Da kommt erst Familie da kommen andere Sachen Und das ist auch sehr faszinierend zum Teil, wie resilient diese Familien sind durch diese Strukturen.
00:14:46: Da kommen wir mit unserem Schulwesen einfach nicht an erster Stelle.
00:14:49: und da meinte die Mediaturin zu mir, dass man das ruhig aussprechen darf, dass es gar nichts bringt, das nicht anzusprechen also sie spricht das auch an und dass das ein Prozess ist, das man über Jahre und Jahre dann die Familie in den System holen kann.
00:15:04: natürlich kriegt man nicht alle Aber wer weiß, vielleicht diese Melanie jetzt in der neuen Schule, wo sie ist.
00:15:11: Vielleicht gelingt es?
00:15:12: Wann weiß das nie?
00:15:13: Oder es geht da wieder genauso los und man muss die erst wieder reinholen.
00:15:16: hoffentlich trifft sich da auf einen Lehrer eine Lehrerin, die sie versucht reinzuholen.
00:15:20: dann gibt's ja auch Thema.
00:15:21: bleiben wir kurz beim Thema Schul Distanz den schönen Begriff Terminkrank der beiden auch vorkommt.
00:15:28: Das ist ein anderer Hintergrund als der Hintergrund dann dass die Behörden von den Eltern was fordern.
00:15:36: Sollen kommen zu den Behörden Leistungen zu bekommen, um Hilfe zu bekommen sprechen aber kein Deutsch.
00:15:41: Was macht man dann?
00:15:42: Dann nimmt man die Kinder mit.
00:15:44: Kommt das öfter vor?
00:15:45: Das kommt öfters vor und tatsächlich gibt es auch viele Behörde, die immer verlangen dass alle Kinder mit zu den Terminen kommen.
00:15:53: Egal
00:15:53: ob Schule ist oder nicht.
00:15:55: Genau ich kenne jetzt nicht genau die Hintergründe.
00:15:59: vielleicht ist das Verwaltungszeichen nicht wirklich nötig um sicher zu sein, dass die Kinder auch wirklich existieren.
00:16:05: Aber es führt natürlich dazu, dass dieser Schulbesuch vielleicht noch ein bisschen weniger ernst genommen wird, wenn man in der Behörde schon das so locker nimmt, dass man dauernd fehlen und dauernt fehlt.
00:16:17: Und ja dann gibt's halt Familien, die das so ein bisschen ausreizen.
00:16:22: Dann gibt's dauernde Termine.
00:16:24: Und dann hat man am Ende diese Situation, dass auf der einen Seite geklagt wird über Mangel in die Integrationsbereitschaft?
00:16:31: Auf der anderen Seite aber den Schüler, in denen das manchmal schwer gemacht wird.
00:16:35: Wenn sie dann zum einen möglichen Termin sollen und wie Sie gerade sagen vielleicht selber das Signal gesendet wird.
00:16:42: also so wichtig ist es jetzt auch nicht in die Schule zu kommen.
00:16:45: da sieht man dann auch diesen.
00:16:47: vorhin gesagt Sie hätten so ein Sinn für den Wahnsinn des Systems an meinen Stellen.
00:16:52: Ja das ist sowieso die Frage ob man inwiefern man den Kindern wirklich vermittelt dass wir sie im Schulsystem drin haben wollen Wie ich eben gesagt habe, was man dann für Geschichten hört.
00:17:04: Dass sie zum Teil einfach in der Ecke abgesetzt und abgestellt werden ohne dass man sich groß kümmert ist wahrscheinlich der Gedanke kann ich auch zu Hause bleiben relativ naheliegend.
00:17:13: Ja wir tun schon unser Bestes damit Sie irgendwie auch den Sinn erkennen zu uns zu kommen.
00:17:20: Glauben Sie eigentlich das sie durch diesen Quereinsteigerblick eine andere Perspektive haben als manche ihrer Kolleginnen und Kollegen, dass sie vielleicht an manchen Stellen Fragen stellen die sich gar nicht mehr stellen.
00:17:34: Ich kann es mir gut vorstellen.
00:17:36: also mir fehlt sicherlich die Erfahrung von so jemanden der jetzt seit dreißig Jahren Kindern Deutsch beibringt.
00:17:42: Sagen Sie nochmal kurz, wann Sie das machen mit der Willkommensklasse?
00:17:46: Seit vier Jahren jetzt.
00:17:47: Also einige sind vielleicht seit dreizig Jahren dabei.
00:17:50: Sie sind jetzt seit vier Jahren dabei Und wir sehen uns jetzt hier gerade, es sehen sie nicht alle.
00:17:56: Sie sind auch keine dreißig mehr sage ich mal.
00:17:58: Nee das hilft vielleicht auch.
00:18:03: Also fachlich ist es ja wirklich überschaubar.
00:18:06: Auch wenn wahrscheinlich viele Didaktiker und Pädagogen auf die Barrikanen gehen würden denke ich dass mit dem gesunden Menschenverstand um Geduld und etwas angelesene Fachwissen man das schon schaffen kann Kindern Deutsch beizubringen.
00:18:23: Und ja, das kommt im Buch vielleicht auch raus, dass ich mir so eine gewisse Schnöseligkeit gegenüber der akademischen Pädagogik so angewöhnt habe.
00:18:33: Da denke ich auch manchmal, es ist vielleicht auch eine gewissen Hybris oder... Ich weiß es nicht!
00:18:39: Aber es hilft mir ganz gut durch den
00:18:40: Alltag.
00:18:40: Auch selbst schützenstückweit?
00:18:42: Ja
00:18:42: genau.
00:18:43: Also nur, ich finde schon immer auffällig diesen Kontrast zwischen Theorie und Praxis.
00:18:49: Irgendwann habe ich ein Buch mal gelesen über Umgang mit Geflüchteten im Schulsystem.
00:18:55: Ich hab leider den Titel nicht mehr, wo dann stand?
00:18:59: viele Lehrer verzichten in den Willkommensklassen komplett auf die Unterrichtsplanung da sich erwiesen hat das Improvisation erfolgsversprechender ist und das darf man jetzt natürlich keinem Prüfer in der Hospitation sagen.
00:19:14: dass
00:19:16: aber stimmt.
00:19:17: Ich habe schon so ein bisschen das Gefühl, also wenn man die groben Leitlinien im Kopf hat kann man sich eigentlich gut auf die Kinder einlassen.
00:19:25: Also zum Beispiel hatte ich dann mal eine Fachkraft, eine studierte Fachkraft die mir dann erzählte dass ja das Perfekt in der linguistischen Progression erst frühestens auf Niveau A-II fortgeschritten kommt.
00:19:41: und dann meinte ich aber Wir reden doch jetzt jeden Tag über den letzten Tag und übers Wochenende.
00:19:47: Das Kind hat doch ein Recht auf Vergangenheiten, das können wir jetzt ja nicht einen Jahr lang warten!
00:19:52: Und das kann auch sehr gut.
00:19:54: ein Kind, dass noch fast nichts kann sagen ich habe Döner gegessen.
00:19:59: also das geht manchmal so ein bisschen zu schematisch vielleicht.
00:20:04: Gewalt ist ein großes Thema.
00:20:07: Überall in der Schule?
00:20:08: Auch in Willkommensklassen.
00:20:11: erzählen Sie ein bisschen vom Thema Gewalt und vielleicht auch dem Umgang oder was man, wie sie damit umgehen bei mit Gewalt.
00:20:20: Und was die da vielleicht auch Erfahrung für Erfahrungen gemacht haben, wie Schulsozialarbeit damit
00:20:24: umgeht?
00:20:25: Also ich habe ja zum Glück Grundschüler wo sich das bis jetzt immer sehr gut händeln dies.
00:20:34: Ganz einfach gesagt im Zweifel bin ich natürlich der Stärkere und kann sie auseinanderhalten was jetzt vielleicht bei sechzehn-sehntenjährigen nicht der Fall ist.
00:20:42: Ich habe festgestellt, dass es dieses Skandalisieren bringt sehr wenig.
00:20:46: also die gehen einfach.
00:20:47: manchmal geht einem die Zündchen nur zu kurz und das explodiert.
00:20:53: aber dann mit diesem Impuls.
00:20:56: Gewalt ist schlecht und böse und ganz furchtbar.
00:20:59: und jetzt müssen wir... Wir
00:21:00: machen eine Klassenkonferenz oder was auch immer?
00:21:03: Ja!
00:21:03: Das
00:21:03: ist völlig unangemessen weil so sind Kinder manchmal explodieren sie redet man mit ihnen drüber und sie vertragen sich ja auch genauso schnell.
00:21:12: Was anderes finde ich, wenn es wirklich... Wenn man merkt dass da ein Kind ernsthaft Probleme hat und das jetzt regelmäßig gewalttätig ist, ne?
00:21:21: Das hatte ich jetzt herzuletzt, war mal ein kinder wo man dann wirklich denkt wie kann ich die jetzt wirklich durch den Alters unterschieden?
00:21:30: Es war so eine sehr kräftige zwölfjährige, die wirklich massive Impulse Kontrollstörung hatte, oder wie man das auch in den anderen möchte.
00:21:40: Und dann sind da Siebenjährige mit ihr in einer Klasse.
00:21:44: Dann wird es halt schon eng und wenn eine Sozialarbeiter zu viel zu tun hat um sich darum zu kümmern...
00:21:49: ...und sagt ich bin für Willkommensklassen gar nicht zuständig?
00:21:52: Ja
00:21:52: genau!
00:21:55: Aber ich habe trotzdem bis jetzt keine Angst gehabt dass mir das völlig über den Kopf wächst.
00:21:59: Da hat man Kollegen und dann findet meine Lösung
00:22:04: was sie eben sagten.
00:22:04: Man darf da auch nicht zu, ich weiß gar nicht mehr das Wort wie sie gesagt haben, zu streng sein.
00:22:11: vielleicht man muss auch manchmal Gewalt einfach akzeptieren zwischen Kindern wenn es nicht schlimme Gewalte ist.
00:22:18: Sie sagen mal dass man sich ein bisschen in der Pause kloppt oder so habe ich sie jetzt verstanden, dass man nicht immer gleich daraus einen riesen Thema macht.
00:22:24: eine Formulierung die mir hängen geblieben.
00:22:28: Ein Buch haben Sie gesagt oder geschrieben, wenn sie bei Schimpfwörtern Zero Tolerance praktizieren würden gäbe es vor allem zero Unterricht.
00:22:36: Wenn ich mir das richtig aufgeschrieben habe da kommt dasselbe zum Ausdruck.
00:22:40: also man kann aus einem eine große Sache machen aber dann kommt man nicht voran.
00:22:45: hab ich das richtig verstanden?
00:22:47: Ja und eben diese wie soll ich sagen böse Sprache die ja wirklich mittlerweile auch auf besseren Thulhöfen salonfähig geworden ist.
00:22:57: Ich war bei meinen Kindern, weil ich völlig schockiert vor zehn Jahren als Ruhrensohn ganz normal war.
00:23:05: Da sind wir jetzt ja noch mal zehn Jahre weiter.
00:23:07: und wenn ich jetzt bei jedem fick deine Mutter den Unterrecht unterbreche und die Eltern anrufe dann wie gesagt kommen wir nicht sehr weit.
00:23:17: Ich lasse es natürlich auch nicht einfach so stehen aber dann versucht man das irgendwie spielericht zu lösen.
00:23:22: oder wenn ich bei jedem gay eine Debatte eröffne über Homosexuellität und Toleranz, dann komme ich auch nicht weiter.
00:23:32: Ich versuche das eher mittelfristig zu sehen, dass ich das mal thematisiere oder sich mal ein Buch anguckt.
00:23:40: Dass die verstehen, dass unsere Normalität hier ist.
00:23:45: Wenn ich da ein großes Fass aufmachen würde, wenn diese Schimpfwörter oder diese Bezeichnung fallen ... wird das nur Abwehrreaktionen erzeugen.
00:23:55: Man muss immer wahrscheinlich wissen, bis zu welcher Grenze geht das?
00:23:59: Wo sind die Grenzen, die überschritten sind?
00:24:01: und das ist wahrscheinlich manchmal gar nicht so leicht zu wissen.
00:24:03: oder also bis wohin lässt man Dinge laufen, bis wohinhin sagt man gut da reden wir wann anders drüber und wo es dann unerbittelbar auch eine Intervention nötig.
00:24:14: Wer hilft Ihnen dabei?
00:24:16: Eigentlich tauschen Sie sich viel aus.
00:24:18: Also die Lehrkräfte in den Willkommensklassen, hilft Ihnen eine Supervision dabei, hilft ihnen die Schulleitung... also wer hilft Ihnen?
00:24:26: bei manche Dinge da braucht man ja einfach auch die zweite Meinung oder dritte Meinung.
00:24:31: Ja es gibt schon erstmal das Kollegiale und dann kann man schon die Schuleitung hinzuziehen und dann gibt's auch andere Betreuungsangebote, Beratungsangeboten.
00:24:41: aber mir fiel gerade etwas anderes ein wo sie es gesagt haben, wo man eine Linie zieht.
00:24:46: Und das war mir vorher jetzt gar nicht bewusst.
00:24:49: Aber dass eben bei wirklich eindeutig rassistischen oder auch antiziganistischen Äußerungen ich sofort einschreite weil die Betroffenen natürlich direkt dabei sind.
00:25:03: Also das andere ist natürlich wenn jetzt... Jetzt wird sehr hypothetisch aber es sind halt kleine Kinder deswegen Sexualität noch nicht so.
00:25:11: Da ist noch niemand, der offen homosexuell lebt oder so.
00:25:14: Deswegen denke ich kann man das so ein bisschen großzügiger Hand haben.
00:25:19: aber eben dieses massive dann ja gerade diese beiden Bereiche gibt denn auch durchaus Roma die sehr rassistisch gegen Afrikaner sind und andersrum.
00:25:29: in den Ost-Europa sind wiederum ja diese massiven Anfeindungen der Roma.
00:25:37: also da schlackern wir dir.
00:25:40: Das war mir gar nicht bewusst, als ich das da angefangen habe.
00:25:44: Und dafür suche ich schon sehr klar immer zu sagen, dass es nicht geht.
00:25:50: Ist Ihr Blick auf unsere Gesellschaft in den letzten vier Jahren anderer geworden?
00:25:57: Gute
00:25:58: Frage!
00:26:01: Also diese bürokratische... wie soll man das sagen?
00:26:05: Nicht die Untiefen aber diese Absolitäten der Bürokratie, das waren wir vorher nicht so klar.
00:26:11: viel Arbeit hat für Dinge, wo man sich fragt was ist jetzt wirklich der Nutzen?
00:26:17: Was soll das Ganze?
00:26:18: Also das fand ich schon sehr erdunkend eher als erhellend und ich denke dass wird nicht ja der einzige der die Erfahrung macht.
00:26:30: Das waren doch auch selber viele Meinungen oder auch Vorurteile hat gegenüber bestimmten Flüchtlingsgruppen und dass das hält halt den Kontakt mit der Wirklichkeit einfach nicht stand, weil es unfassbar individuell alles ist.
00:26:49: Am
00:26:50: Ende gibt's nur Menschen?
00:26:51: Ja,
00:26:51: es taugt nicht für Politik wirklich nicht!
00:26:55: Das am Ende werden alle Vorurteile dann auf die Probe gestellt und man stellt fest Es ist doch anders als man denkt.
00:27:02: Vielleicht ist das eine gute Überleitung zu meiner vorletzten Frage Warum eigentlich das Buch?
00:27:10: Also effektiv, weil mir ein Freund gesagt hat schreibt das mal.
00:27:14: Dem ich die Geschichten immer beim Café erzählt habe Aber natürlich hab' ich das jetzt nicht für ihn alles gemacht.
00:27:21: Jetzt waren wir wirklich in Anliegen sowas Schräges aber gar nicht jammern des Positives aus diesem Bereich zu erzählen Weil mich eben gerade dieses wahnsinnig problemorientierte Die Kinder sind so schlecht, die Jugend ist so stark.
00:27:39: Das geht mir unglaublich auf die Nerven weil es sind nun mal die Kinder, die jetzt da sind und vielleicht waren die früher auch nicht viel besser.
00:27:46: ich weiß es nicht wir hatten andere Probleme.
00:27:49: Sind die einzigen Kinder die wir haben?
00:27:50: Ja dann muss man ja irgendwie mit umgehen und das sind trotzdem Kinder.
00:27:56: die muss man irgendwie halt von ihren Handys ab und zu mal wegkriegen und mit ihnen was schönes machen.
00:28:05: Es ist keine große Mission, die ich da im Kopf hatte.
00:28:08: Aber es war mir doch so ein bisschen diese Idee ... Ich hab damals auch Frau Freitag gelesen und fand das geht ja auch in die Richtung.
00:28:17: Man macht das Ganze nicht zur Freak-Show und is' kein Voyeur.
00:28:22: Sondern man zeigt auch bei allen Problemen gibt's schöne Dinge.
00:28:27: Womit wieder dieses Motiv des Sie mögen eigentlich Menschen?
00:28:33: Zum Ausdruck kommt.
00:28:34: es geht nicht darum zu sagen alles ist schwierig.
00:28:37: Und wie schlimm sondern zu sagen ja alles schwierig aber wir sind menschen das immer alles schwierig.
00:28:41: in einem stecken auch Chancen drin.
00:28:43: da gibt's noch so eine schöne anecdote aus ihrem buch die sie vielleicht noch erzählen können und zwar die anecdote des Gucci Gottes, wo es letzten endes auch zeigt wie wie schlau sich Kinder auch anpassen und wie viel witz die auch haben.
00:29:00: vielleicht erzählen Sie die geschichte mal kurz.
00:29:03: Das alte Thema Kopfbedeckung, was ja irgendwie so ein All-Time Classic ist schon noch aus meiner Schulzeit.
00:29:11: Die eben eigentlich nicht gewünscht sind.
00:29:13: und dann haben die Jungs gerne ihre Gucci Caps und müssen sie ausziehen und weisen dann aber auf das Mädchen mit dem Kopftuch hin, dass sie auch eine Kopfbedingung.
00:29:24: Und das jetzt ganz oft.
00:29:25: das Thema Ungerechtigkeit ist riesig!
00:29:28: Auch kleine, spartliche Lustige Anekdote.
00:29:31: Es ist ungefähr, ne?
00:29:32: Bis ich dann verstanden habe sie meinen unfair ungerecht...
00:29:35: Ungefähr!
00:29:37: Das ist ungefähr Herr Lehrerin.
00:29:40: Und ja und dann behauptet in Sie irgendwann das, dass Sie halt an den Gucci-Gott glauben.
00:29:46: Dass Sie deswegen Ihre Capy tragen müssen.
00:29:51: Wobei also das finde ich schon ist natürlich die Pointe der Geschichte.
00:29:55: aber Mich hat viel mehr überrascht, dieses ganz pragmatische Umgang mit dem Kopftuch.
00:30:03: Also ich hatte bis jetzt relativ wenig Kontakt zu gläubigen Muslimer und habe das dann im Mitbild erlebt wie so die ersten, so mit zwölf oder elf Zwölf, dann eines Tages mit Kopftuchen kamen.
00:30:17: und dann ging in meinem Kopf dann dieser typische, emanzipatorische Film lief los, oh Gott jetzt sind sie quasi gefangen in der Religion und zwei Wochen später kamen sie wieder ohne Kopftuch.
00:30:33: Und meine Tochter meinte nur so ja und mal trägt man Mütze, mal trägt man nicht mit.
00:30:39: Also ganz so ist es sicher nicht aber da sieht man vielleicht auch daran also ich bin ja gar nicht die Kompetenz diese Probleme zu lösen oder endgültig zu verstehen Aber im Alltag kann man doch manchmal so einen leichten Umgang damit finden.
00:30:57: Und dürfen die Jungs jetzt noch ihre Gucci-Caps tragen?
00:31:00: Nein!
00:31:04: So überzeug war das Argument dann
00:31:05: auch nicht.
00:31:05: Ich trage auch nichts.
00:31:09: Das ist schon besser, ich weiß auch nicht warum.
00:31:12: Es ist ein Schulregel und die wird dann eingehalten und dann kommen wir zurecht miteinander.
00:31:17: Ich könnte noch lange weiter mit Ihnen sprechen, aber ich fände es eigentlich schöner wenn unsere Hörerinnen und Hörern vielleicht selber mal zum Buch greifen.
00:31:25: Selber reinschauen.
00:31:27: Noch mehr lesen von dem was Herr Lehrerin da aufgeschrieben hat.
00:31:31: Und immer am Ende des Podcasts stelle ich eine Frage.
00:31:34: die passt heute eigentlich echt super gut weil ich habe sie gefragt Warum dieses Buch?
00:31:42: Man könnte mich auch sagen das steckt indirekt doch auch ne ganze Menge Politik drin oder zumindest eine Erwartung auch, sie möchten ja was ausdrücken.
00:31:51: Damit gibt es irgendeinen Wunsch den Sie an die deutsche Bildungspolitik haben?
00:31:56: Die Frage, die ich immer stelle ist wenn Sie einen Wunsch frei hätten an die deutschen Bildungspolitik nicht drei, nicht zehn sondern ein einzigen Was wäre das?
00:32:05: und vielleicht ist es auch ein bisschen die Antwort auf dass warum dieses Buch?
00:32:10: Ja ich glaube ich habe etwas weil gerade gestern irgendwo gelesen, dass das Rezept ist gegen die Populisten und es einfach mehr gute Laune.
00:32:23: Also ein bisschen laune als Wunsch an die Bildungspolitik und das ist spannend.
00:32:28: eine Woche vor Veröffentlichung der neuen PISA-Ergebnisse der deutschen Bildungspolitik mehr Laune zu wünschen oder sich mehr Gute Laune von der Deutschen Bildungspolitik zu wünsche finde ich schön.
00:32:43: Und man könnte auch sagen, was hilft's?
00:32:46: Mit guter Laune lässt sich vieles besser ertragen.
00:32:48: Mit gutter Laune kriegt man den Aufbruch hin in den Schulen, denen wir vielleicht auf jeden Fall weiter brauchen werden, egal wie die Ergebnisse verausfallen.
00:32:58: Ganz herzlichen Dank an Herr Lehrerin!
00:33:01: Das war eine Folge von Viada Wundertsich.
00:33:03: Vielen Dank für das Gespräch!
00:33:06: Ja, Ihnen auch vielen Dank!
00:33:07: Ja und wenn Ihnen das Format gefallen hat, sagen Sie es mir gerne in der Kommentarspalte.
00:33:12: Auch wenn Ihnen was nicht gefallen hat freue ich mich über Hinweise, Kritik, Widerspruch, Ergänzung!
00:33:18: Ich freue mich auch über Ideen und Anregungen und Vorschläge für Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner die Sie gern einmal hören würden bei JaDaWundertSich Und an dieser Stelle sage ich machen sie's gut bis dahin auf Wiederhören.
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