Wiarda wundert sich_27_Rauch Niendorf
Shownotes
In dieser Folge von "Wiarda wundert sich" spricht Jan-Martin Wiarda mit zwei Frauen, die aus sehr unterschiedlichen Rollen auf das Wissenschaftssystem blicken und doch ähnliche Fragen stellen: Wie können Universitäten gerechter, offener und weniger hierarchisch werden? Was muss sich ändern, damit Machtmissbrauch nicht länger als Einzelfallproblem behandelt wird, sondern als strukturelle Herausforderung? Und warum ist es so schwer, an Hochschulen genau jene demokratischen Prinzipien zu verwirklichen, die sie nach außen verteidigen?
Geraldine Rauch war vier Jahre lang Präsidentin der TU Berlin. Nach ihrer nicht erfolgreichen Wiederwahl kehrte sie Anfang April auf ihre Professur für medizinische Biometrie an der Charité zurück. Lisa Niendorf ist Erziehungswissenschaftlerin an der Humboldt-Universität, Influencerin und Autorin des SPIEGEL-Bestsellers "Universal gescheitert". Als "FrauForschung" hat sie allein auf Instagram über 84.000 Follower.
Im Interview mit Jan-Martin Wiarda erzählen die beiden, wie sie sich kennengelernt haben: durch einen Artikel über Niendorfs Buch und eine E-Mail aus dem Präsidialamt der TU Berlin. Rauch erinnert sich, sie habe den Text gelesen und gedacht: "Wow, genau mein Thema." Als sie dann erfahren habe, dass sich offenbar noch keine Uni-Präsidentin bei Niendorf gemeldet habe, sei für sie klar gewesen: "Das muss sich ändern."
Aus dem ersten Kontakt wurde schnell ein intensiver Austausch über Macht, Veränderung und die Kultur an Hochschulen. Niendorf sagt, beide verbinde unter anderem "eine große Leidenschaft zu fluchen" – vor allem aber eine ähnliche Art, über Konflikte zu sprechen. Rauch sagt, beide hätten, obwohl sie aus unterschiedlichen Kontexten kämen, sehr überlappende Erfahrungen mit dem Hochschulsystem gemacht.
Das Gespräch führt die beiden von Machtmissbrauch und prekären Karrieren über fehlende Mitbestimmung und Diversität bis zur Wissenschaftskommunikation in politisch rauer werdenden Zeiten.
Rauch blickt zurück auf ihre Amtszeit an der TU Berlin: auf erreichte Veränderungen, massive Widerstände und die Grenzen von Reformen in einem System, das Macht oft lieber verteidigt als hinterfragt. "Wir reden auf jeden Fall über ein ganzes System", sagt sie zum Thema Machtmissbrauch. Es sei zu einfach, nur von "den bösen Tätern" und "den armen Opfern" zu sprechen.
Niendorf beschreibt Rauchs Präsidentschaft von außen als Beispiel dafür, wie schnell Frauen in Leitungspositionen medial festgelegt würden: "Sie wurde irgendwie immer als zu laut, zu aktivistisch, zu fordernd, zu politisch irgendwie dargestellt." Zugleich habe sie Rauch als Beleg dafür wahrgenommen, "wie Leitung auch anders gehen kann".
Auch Rauchs Social-Media-Skandal kommt zur Sprache. Die damalige Präsidentin hatte auf der Plattform X unter anderem einen Beitrag mit einem "Gefällt mir" markiert, auf dem türkische Demonstranten dem Ministerpräsidenten Israels, Benjamin Netanjahu, Hakenkreuze auf die Brust gemalt hatten. Es hagelte Antisemitismus-Vorwürfe und Rücktrittsforderungen, Rauch bat um Entschuldigung. Im Podcast sagt sie dazu: "Dieses Hakenkreuz habe ich eben nicht gesehen." Seitdem habe sie sich aus den sozialen Medien zurückgezogen.
Am Ende landet das Gespräch beim aktuellen Fiasko an der TU Berlin: beim erneut geschlossenen Hauptgebäude, bei Brandschutzmängeln, Sanierungsstau, gesperrten Büros, hunderten Lehrveranstaltungen, die verlegt werden müssen oder ausfallen. Ob sie froh sei, die Verantwortung für die TU-Baumisere los zu sein, fragt Jan-Martin Wiarda. Geraldine Rauchs Antwort hören Sie in dieser neuen Folge von "Wiarda wundert sich".
Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:14: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Viada Wundertsich.
00:00:18: Ein Fragensteller, zwei Gäste ein aktuelles Thema!
00:00:21: Der Fragen-Steller das bin ich ja Martin Viader, Journalist für Bildung und Wissenschaft und meine Gästen sind diesmal zwei Frauen die aus sehr unterschiedlichen Reuen heraus über Hochschule sprechen aber beide mit einem ziemlich ähnlichen Anspruch – Universität Anders Denken gerechter, offener, weniger hierarchisch.
00:00:38: Weniger anfällig für Machtmissbrauch?
00:00:40: Bei mir sind Geraldine Rauch und Lisa Niendorf.
00:00:42: Herzlich willkommen hier beiden!
00:00:44: Hallo!
00:00:45: Hi!
00:00:46: Geraldine du bist bis Ende März Präsidentin der TU Berlin gewesen jetzt zurückgekehrt auf deine Professur für medizinische Biometrie an der Charité.
00:00:55: Lisa Du bist Erziehungswissenschaftlerin Dozentin an der Humboldt Uni und vielen bekannt als Frau Forschung auf Instagram, TikTok usw.
00:01:03: Ihr seid beide auf mich zugekommen und habt vorgeschlagen, gemeinsam dieses Gespräch zu führen.
00:01:09: Das finde ich spannend weil ihr offenbar nicht nur zufällig bei der Hochschule redet sondern weil euch auch einiges verbindet.
00:01:18: Lisa wie würdest du diese Verbindung beschreiben?
00:01:22: Ich glaube, wir haben beide eine große Leidenschaft zu fluchen und so versuchen uns ein bisschen Dampf abzulassen.
00:01:34: Ich glaube, uns beide vereint eine freundschaftliche Liebe.
00:01:37: auf den ersten Blickgeschichte irgendwie.
00:01:39: Also ich habe von Gerardin eine E-Mail bekommen, eine Nachrichtbrief der Präsidentin... ...ich bin ausgerastet verfreut!
00:01:48: Das war mein Fangirl Moment dass sich Gerardine mit mir austauschen möchte und dann haben wir uns gefunden und wir waren sofort auf einer Wellenlänge weil in der Art und Weise wie wir kommunizieren, wie wir auch Wärme voneinander ausstrahlen hat einfach sehr gemetscht und ich mag einfach, mit ihr zusammen zu sein.
00:02:05: Mit ihr zu denken, mit dir zu lachen, mit mir zu fluchen weil sie mich einfach bereich hat.
00:02:11: Und das ist fast meine Witzigung gerade sehr gut zu Geraldine zusammen obwohl die noch ganz frisch ist.
00:02:15: Ich glaube Géraldine ein halbes Jahr oder?
00:02:17: Ja
00:02:17: ungefähr.
00:02:20: Wieso hast du denn den Brief geschrieben damals Géraldin?
00:02:22: Tatsächlich bin ja aus bekannten Gründen nicht mehr auf Social Media aktiv.
00:02:28: So gar nicht.
00:02:29: Und ich habe dann aber tatsächlich im Tagesspiegel einen Artikel über ihr Buch gelesen und dachte so, wow genau mein Thema oder ein Thema an dem das wir an der TU ja sehr verfolgt haben machten es brauche.
00:02:38: Und dann stand sogar in Tagesspiegel.
00:02:39: Es hätten sich bisher keine Unipräsidentinnen.
00:02:44: Das muss sich ändern, noch habe ich eine Chance hier zu sein.
00:02:48: Genau!
00:02:48: Dann haben wir sie angeschrieben und halt natürlich auch mit der Idee von Vortrag einzuladen.
00:02:53: Wir hatten sowieso schon eine große Tagung zum Thema Nacht- bis Brauch organisiert und daraufhin so eine Vortragsreihe, wo wir verschiedene Rednerinnen hatten.
00:03:02: Und das hat dann perfekt gepasst.
00:03:04: Dann haben wir uns eben zum Vorgespräch getroffen und waren halt sofort irgendwie auf einer Wellenlänge.
00:03:08: Ja!
00:03:10: Auch wenn wir uns ja wie gesagt noch gar nicht lange kennen und aus unterschiedlichen Kontexten kommen, denke ich auch sehr überlappende Erfahrungen mit dem Hochschulsystem gemacht.
00:03:19: Und genau darüber wollen wir jetzt ein bisschen mehr reden.
00:03:21: Geraldine, du hast in deiner Amtszeit kann man glaube ich schon sagen vieles bewusst anders gemacht als Hochschulleitungen ist normalerweise so machen.
00:03:28: Du hast auch viel Widerspruch ausgelöst und viele Debatten befördert.
00:03:31: wenn du heute auf deine vier Jahre als TU-Präsidentin zurückblickst Wieviel hast du wirklich erreicht?
00:03:39: Ja das ist immer ein bisschen schwierig zu sagen glaube ich so jetzt wenige Wochen nach Ende der Amtszeiten.
00:03:44: also ich denke schon dass sich verschiedene... Dass sich an der Kultur etwas getan hat irgendwie normaler geworden ist, dass ... ich mag das Wort Statusgruppen eigentlich nicht so gerne.
00:03:54: Aber wenn wir jetzt mal kurz verwenden, dass alle Statusgruppe mitsprachgerecht haben, dass es eben nicht nur darum geht wie geht es den exzellenten ProfessorInnen sondern auch darum geht, wie geht's Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Technik Service und Verwaltung?
00:04:08: Wir haben ja schon konkret ein paar Sachen einfach ganz konkret umgesetzt.
00:04:11: Es gibt deutlich mehr Dauerstellen, es gibt bessere Eingruppierungen für die Mitarbeiter in Technic Service und Ja, wir haben eigentlich einfach schon dafür gesorgt dass es da einen Ausgleich gibt.
00:04:22: Aber es gab natürlich auch Rückschläge und das ist natürlich immer die große Frage wie sehr ist das von Dauer?
00:04:28: Was kann sich halten was kann sich nicht halten?
00:04:31: aktuell gibt es ja sehr viele politische Entwicklungen damit meine ich jetzt gar nicht nur Berlin wo man eher denkt alles entwickelt sich wieder rückwärts.
00:04:41: Ja, deswegen... Wie nachhaltig das ist?
00:04:43: Das muss man glaube ich dann ein bisschen beobachten.
00:04:45: Wir haben auf jeden Fall Impulse gesetzt und ja, ich bin grundsätzlich eine sehr ungenullige Person.
00:04:50: Deswegen neige ich auch dazu jetzt nie zufrieden zu sein oder immer zu denken wir hätten noch viel mehr machen können, aber ich glaube wir haben uns an dieser Stelle schon auch sehr eingesetzt.
00:04:58: Wie schwer ist es dir gefallen dass du eben nicht viel mehr mehr machen konntest sondern tatsächlich dass du abgewählt worden bist.
00:05:04: was bedeutet das für dich?
00:05:06: Also erstmal muss ich sagen, dass sich halt die TU als Universität nach wie vor irgendwie sehr liebe und es einfach so vier Jahre mich beschäftigt hat.
00:05:16: Und natürlich sozusagen auch der Gestaltungsraum war wo wir allgemeine Themen wie Machtmissbrauch oder die Statusgruppen ähnlicher zu behandeln gleichzubehandeln eben da versucht haben umzusetzen und das ist natürlich sehr schade weil natürlich einige Projekte jetzt einfach abgebrochen sind andere Ideen gibt, was ja auch gut ist.
00:05:38: Das heißt ich persönlich bin natürlich schon sehr traurig bleibt aber natürlich irgendwie der TU verbunden und ich mag aber einfach dieses Hochschulpolitische und das gesellschaftliche Engagement und versuche mich da natürlich auch weiter zu vernetzen und weiter zu engagieren.
00:05:50: und da ist natürlich Lisa super!
00:05:52: Und wir sind jetzt so weiterhin im Austausch weil es gibt viel zu tun und da wollen wir weitermachen.
00:05:58: Ja Lisa und du sprichst als Frau Forschung über dass vorüber im Wissenschaftssystem immer noch zu viel geschwiegen wird?
00:06:05: Machtmissbrauch, Leistungsdruck, Ausbeutung, Diskriminierung, prekäre Karrierewege.
00:06:10: und eben ist dein Buch schon kurz erwähnt worden von Geraldine Universal gescheitert.
00:06:16: Direkt nach erscheinen auf die Spiegel-Bestsellerliste.
00:06:19: wie hast du Geraldines Präsidentschaft von außen wahrgenommen?
00:06:23: Du hast es eben schon so ein kleines bisschen angedeutet.
00:06:26: war sie für dich eher ein Beispiel dafür dass Veränderungen möglich sind oder dafür wie stark auch das System Veränderung abwehrt?
00:06:33: vielleicht?
00:06:35: Ich würde sagen, beides.
00:06:37: Also einerseits habe ich...ich konnte es ja immer nur aus der Ferne beobachten und vor allen Dingen immer nur von den Berichterstattungen.
00:06:42: Das war das was ich am meisten dann konsumiert habe.
00:06:44: Ich hatte da noch keiner direkter Linie zu Geraldine, dass sie sich anrufen konnte.
00:06:47: Du!
00:06:48: Ich hab dir gerade den Tagesspiegelartikel gelesen, sag mir mal kurz deine Variante oder deine Sicht auf die Dinge.
00:06:54: Das, was mir bei Geraldine am meisten aufgefallen ist, ist diese mediale Konstruktion von ihr.
00:06:59: Die geschaffen worden ist und da habe ich ihnen so parallelen gesehen.
00:07:02: auch zu Frau Geprusius-Gerstoff.
00:07:05: Sie wurde irgendwie immer als zu laut, zu aktivistisch, zu fordernd, zu politisch irgendwie dargestellt.
00:07:14: Das hat mich ganz oft auch getroffen.
00:07:15: Ich weiß, dass ich einmal einen linken Beitrag über einen ganz unsäglichen Artikel über Geraldine verfasst habe, wo ich mich darüber aufgeregt habe, dass die Journalistinnen in diesem Fall ihre eigenen oder ihre eigene internalisierte Musikonie nicht gut hinterfragt haben und dieser Artikel das eben dargestellt hat aber ganz konkret auf ihre Präsidentschaft also bei man jetzt fast.
00:07:39: Ich habe keine einzige DM bekommen, die sich irgendwie abschätzig oder diffamierend oder besonders übergriffig kritisch gegenüber Geraldine geäußert haben.
00:07:49: Also ich hab das sehr wahrgenommen dass sie mit wahnsinnig viel Engagement vorangeht, dass sie Dinge anders macht und v.a.
00:07:55: mutig ist.
00:07:56: Dass sie auch versucht diese starren Rahmenbedingungen ein Stück weit aufzubrechen.
00:08:04: Ich hab Geraldine auch nie von außen so wahrgenommen, dass man sie nicht kritisieren darf.
00:08:07: Also ich weiß jetzt wenn ich sie jetzt treffe und jetzt kennengelernt habe das man mit ihr glaube ich richtig tolle gut streiten kann.
00:08:12: Ich glaub also mit Geraldine zu debattieren ist in meiner Wahrnehmung so das macht man stundenlang und danach geht man noch ein Bierchen trinken.
00:08:20: Das funktioniert!
00:08:24: Ich habe inhaltliche Kritik, gab es und ich glaube an einigen Stellen kann man.
00:08:28: Es ist wichtig dass man inhaltlich auch kritisiert aber so wie sie medial konstruiert ist, so hab' ich das nie wahrgenommen und habe sie im Gegenteil eher als eine Vorbildfunktion wahrgenommen Wie Leitung auch anders gehen kann?
00:08:43: Wo ich zu meiner nächsten Frage komme, die ich eingestellen wollte, du hast mir jetzt gerade eine Einladung gegeben.
00:08:47: Worüber streitet ihr euch denn Lisa?
00:08:51: Also so richtig gestritten haben wir uns jetzt noch nicht, aber ich glaube wie würden uns?
00:08:56: Géraldine berichtige mich bitte.
00:08:58: Ich glaube wir würden wahrscheinlich ab und zu ein bisschen heißer debattieren wenn es dann wirklich um Machtmissbrauch geht.
00:09:05: mit Blick auf was ist die Aufgabe auch der Hochschulen dahingehend weil Géraldin weiß welche eingebundenheiten es bedeutet oder welcher Welche Zwänge man teilweise doch als Hochschulpräsidentin unterliegt?
00:09:21: Und ich in meinem manchmal doch naiven Drang hin, kommen wir ändern alles.
00:09:26: Das geht doch alles ganz einfach.
00:09:27: und dann sagt Geraldine wahrscheinlich Ja!
00:09:30: Ich würde gerne mit dir mitgehen aber einige Stellen lassen sich so einfach jetzt nicht umsetzen Einfach weil du Geraldine ja die Zwänge schon kennst Weil Du als Hoch- schulpräsidenten eben weißt was geht und was nicht geht und wo man am Ende vielleicht auch ein paar pragmatischere Lösungen finden muss.
00:09:44: Denn gleich das nicht bedeutet man da nicht auch mutig sein.
00:09:47: Aber ich kenne diese Zwängen halt eben nicht.
00:09:49: Aber jetzt nimmst du ja eigentlich schon das Gegenargument gleich mit
00:09:53: und
00:09:54: vermutlich wäre das eher ein recht abgemildeter Streit, könnte ich mir vorstellen.
00:09:57: aber es ist ja das Thema auf dass ich hinaus wollte.
00:10:00: ihr sprecht beide viel über Macht- und Machtmissbrauch in der Wissenschaft.
00:10:04: vielleicht zunächst die Frage an Geraldine was genau meinst Du eigentlich damit?
00:10:09: Das ist ja auch relativ breiter Begriff macht Missbrauch.
00:10:13: Reden wir da eher über Einzelfälle, sprechen wir über schlechte Führung, über Abhängigkeit oder ein ganzes System?
00:10:19: Gerardin und die einfachste Antwort wäre jetzt zu sagen all das aber vielleicht.
00:10:25: das war bevor wir dann über diesen Begriff noch ein bisschen weiter diskutieren.
00:10:28: erstmal was meinst du damit?
00:10:29: Und dann auch Lisa natürlich anschließend was meinste genau damit?
00:10:32: Also erst mal, wir reden auf jeden Fall über ein ganzes System.
00:10:35: Wir reden aber auch nicht nur über jetzt justiziable Fälle also richtige Täter-Opferkonstellationen sondern wir reden eben auch über einen Universitätssystem was sich über Jahrzehnte etabliert hat wo auch Führungspersonen teilweise gar nicht so einfach aus ihrer Rolle heraus können.
00:10:53: Also es wäre zu einfach zu sagen, da gibt es die bösen Täter und die armen Opfer sondern das ist ein sehr verflochtenes System und es gibt auch unbewussten Machtmissbrauch.
00:11:03: Das heißt mir wär's ganz wichtig zu sagen da sind jetzt nicht irgendwie pauschal Professoren an den Pranger gestellt und natürlich gibt es auch ganz viele Leute die ihre Macht nicht missbrauchen.
00:11:14: aber es ist schon ein systemisches Problem und vielleicht mal so ein bisschen zu umreißen, um was es geht.
00:11:19: Also es geht um gute wissenschaftliche Praxis.
00:11:22: Es geht darum Arbeitsverhältnisse auszunutzen.
00:11:27: Esgeht darum, was man sein Beschäftigten sozusagen... also was die Beschäftigten dürfen, was sie nicht dürfen und wie sie in Abhängigkeiten von ihren Chefs sinkt.
00:11:40: Also machten wir's Brauch?
00:11:41: Gibt das natürlich theoretisch an allen Konstellationen aber Die häufigste Variante ist es natürlich doch, dass es Wissenschaftlerinnen in der Regel auf befristeten Verträgen macht.
00:11:51: Das braucht Erleben von ihren Führungspersonen und das hängt eben auch damit zusammen, dass sie in einem sehr großen Abhängigkeitsverhältnis de facto sind.
00:12:01: also Sie machen vielleicht ihre Abschlussarbeiten oder Ihre Promotion bei den Betreuern.
00:12:07: Sie haben befristete Fragsverhältnisse Ja, also wo fängt Machtnisbrauch an?
00:12:17: Das ist eine sehr vage Linie.
00:12:18: Also es gibt so paar klassische Beispiele.
00:12:23: Eine Wissenschaftlerin kommt nicht auf ein wissenschaftliches Paper mit drauf oder in einer Torenstelle die eigentlich dem eigentlichen
00:12:32: Mitwirken
00:12:33: nicht gerecht wird.
00:12:34: das ist sicherlich noch eine niedrige Schwelle aber damit fängt's ja an weil damit auch akademische Karrieren irgendwie beeinflusst werden.
00:12:41: oder die Frage Wer darf eine Dienstreise fahren, ja oder nein?
00:12:45: Wer kriegt eine Vertragsverlängerung?
00:12:48: unter welchen Bedingungen kann man eine Promotion überhaupt fertig machen.
00:12:53: Wird man dazu aufgefordert in seiner Arbeitszeit... Also es geht jetzt nicht darum auch mal irgendwie etwas zu tun weil gerade jemand ausgefallen ist und man netterweise jemanden vertritt sondern aber wird man irgendwie systematisch dazu aufgefordert Dinge zu machen die eigentlich nicht im Arbeitsvertrag entsprechen.
00:13:11: das sind also Dinge Die sehr typisch vorkommen und das kann natürlich verknüpft sein mit allem Möglichen.
00:13:16: Das kann mit subtilen Drohungen, mit expliziten Drohung zusammen sein.
00:13:19: es gibt auch Fälle wo sich irgendwelche sexualisierten Gewalt reinmischt Es gibt Fälle Wo sich Rassismus reinmischt.
00:13:25: also da gibt's natürlich Sehr sehr unterschiedliche Konstellation Und dass ist schon sehr sehr häufig
00:13:32: Und vielleicht auch ein bisschen liesserteil des Problems weil es diese Breite ist dieses manchmal auch schwer zu fassen.
00:13:40: kann man isst auf einen Punkt bringen oder ist es gar nicht möglich das Thema Machtmissbrauch für einen Punkt zu bringen, damit es nicht so einem schnell entfleucht.
00:13:50: Was ist jetzt eigentlich genau?
00:13:53: Das ist eine schwierige Frage weil da gibt auch die Debatte der Deutungshoheit rund um diese Definition von Machtmessbrauch.
00:14:00: also wer legt eigentlich fest was Machtmassbrauch ist?
00:14:03: wie ist diese Person oder diese Personengruppe sozialisiert eingebettet in welches Herrschaftssystem?
00:14:08: gerade wenn man jetzt auch sagt weiß zentriertes System Wenn wir jetzt, also ich meine letztlich sind wir alle Wissenschaftlerinnen und wir brauchen irgendwie ein Schiff, hat auch Definitionen um über erstmal einen Phänomen sprechen zu können.
00:14:21: Das heißt Ich würde das mit dieser Deutungshoheit trotzdem noch mit einem großen Auf-Ausrufzeichen daneben stellen.
00:14:27: wer sich da mehr für interessiert den würde ich auch noch dem Beitrag von Sophia Hohmann empfehlen die sich damit auch schon mal auseinander gesetzt hat.
00:14:35: Also macht bis braucht würde ich sagen ist auf einen Punkt gebracht.
00:14:41: Oder liegt dann vor, wenn jemand aufgrund seiner Machtposition andere Menschen diskriminiert ausbeutet schadet Ausgrenzen ihrer Freiheit beschränkt und das vor allen Dingen willkürlich macht intransparent.
00:14:57: Und das geschieht mit dem Ausnutzen der Macht.
00:15:02: Also es braucht immer ein Machtverhältnis und dieses macht Verhältnis in einer hierarchischen Position wird eben ausgenutzt, um seinen eigenen Vorteil.
00:15:10: Um sich selbst zu bereichern, um einen Vorteil zu stärken und das auf Kosten von anderen.
00:15:15: Und dass ist eine sehr breite Waagedefinition.
00:15:17: darunter kann viel fassen oder kann viel gefasst werden.
00:15:20: Das hat Gerhard Degen auch gerade schon gut beschrieben.
00:15:22: Ich weiß, dass die GEW jetzt gerade eine Handreichung rausgegeben hat vor vier oder fünf Tagen mit ganz vielen Beispielen, auf welchen Ebenen sich Machtmissbrauch zeigen kann.
00:15:31: Also den würde ich auch nochmal hier als Informationsmaterial mit reingeben wollen.
00:15:37: Aber es sind genau diese Begriffe macht mangelnde Transparenz, Willkür und Bereicherung die in irgendeiner Weise stattfindet.
00:15:46: das muss nicht immer alles zusammenkommen aber das sind ganz wichtige Begriffs glaube ich in dem Zusammenhang.
00:15:51: Und wie du sagst, Lisa am Ende entscheidet es doch auch jeder Einzelfeier.
00:15:55: Weil die Konstellationen doch auch sehr unterschiedlich sind und man kann nicht einfach sagen das erfüllt jetzt nicht die Definition von Machtmissbrauch ist raus aus der Gleichung sondern wirklich muss ich jeden Fall genau anschauen.
00:16:08: Du hast mal in unserem Interview was wir vor einer Weile geführt haben gesagt wenn dich eine Hochschulpräsidentin fragt was sie konkret besser machen soll Hast Begriffe genannt wie Entfristungen weniger Machtzentrat Konzentration, getrennte Betreuungsbewertungsräume, mehr Austausch mit Studierenden.
00:16:25: Und die Liste ist lang.
00:16:26: Geradine, realistisch ist es tatsächlich aus der Sicht einer Präsidentin da an den Kernen des Problems zu gehen?
00:16:35: Lisa hat ja dir vorhin schon so ein bisschen die Antwort in den Mund gelegt, warum das alles so kompliziert ist.
00:16:40: Aber ist es wirklich so kompliziert?
00:16:43: Ja also... Wir haben jetzt an der TU schon ein paar Sachen erreicht, aber ich muss sagen.
00:16:48: Ich bin auch sehr ernüchtert und es waren sehr harte Kämpfe an Fronten die total unnötig sind.
00:16:53: Also ich erinnere mich jetzt zum Ende meiner Armszeit haben wir so mit Aachen und Kraft noch eine neue Antidiskriminierungsrichtlinie, die glaube ich vorher zwanzig Jahre nicht überarbeitet wurde durch einen akademischen Senat bekommen.
00:17:05: und in der Diskussion im akademischem Senat sagte ein Professor Können wir das Wort Machtmissbrauch bitte aus der Antidiskriminierungsrichtlinie streichen?
00:17:13: Das hat doch damit nichts zu tun.
00:17:15: Nur als Beispiel, es ging ja in diesem Fall gar nicht darum irgendjemanden etwas konkret vorzuwerfen sondern nur eine Richtlinie an die Hand zu geben und das zeigt so ein bisschen auf welchem Niveau wir teilweise diese Debatte betreiben.
00:17:28: insgesamt gab es an der TU insbesondere sehr viele Hochschullehrende die mir vorgeworfen haben dass ich dieses Thema so hoch halte Und die sich auch unter Generalverdacht gestellt gefühlt haben, was nie meine Absicht war.
00:17:41: Weil natürlich gibt es ganz tolle ProfessorInnen und jeder von uns hat sich auch schon mal in irgendeiner Situation nicht gut verhalten.
00:17:50: Das ist das, was ich vorhin sage.
00:17:52: Es gibt ja nicht immer nur dieses einer ist böse und einer ist gut.
00:17:55: aber dieses System ist natürlich so dieses Hochschulsystem dass ProfessorInne große Macht haben und kaum funktionierbar sind.
00:18:05: Wir sehen das ja jetzt auch an bestimmten Fällen, die man so durch die Presse gehen wie schwierig es ist, auch gegen Beamte destillinarisch teilweise vorzugehen und befristet Beschäftigte einfach wahnsinnig abhängig sind und am Ende immer den Kürzeren ziehen und dass auch kaum zu verhindern ist.
00:18:22: Und das ist halt einfach eine Grundkonsolation.
00:18:24: da kann der oder die Professorin noch so nett sein daran.
00:18:28: Das ist ja sozusagen systemisch angelegt.
00:18:31: Und ich kann einfach nur sagen, dass ich wirklich erlebt habe – obwohl ich die TU Berlin eigentlich für eine fortschrittliche Universität im Schnitt halte -, dass ich das so erlebt hab, dass dieses Thema eher bekämpft wurde und dass wir da was machen wollen.
00:18:43: Wer war an deine Verbündete?
00:18:45: Wenn man sie möchte innerhalb der Hochschule aber vielleicht auch in der Hochdirektorenkonferenz?
00:18:50: Hast du da Verbündeten gehabt?
00:18:56: Also natürlich hatte ich Verbündete und das war irgendwie so eine weite Gruppe von, also grundsätzlich würde ich erst mal sagen meine Verbündeten waren immer eher unter den anderen Statusgruppen.
00:19:08: Und weniger unter den ProfessorInnen was schade ist weil es jetzt nie so mein Ziel war da einen Cut durchzuziehen.
00:19:15: Und in der Hochschulrektorenkonferenz grundsätzlich, also da gibt es sehr coole Leute.
00:19:19: Keine Frage aber insgesamt ist das ein sehr konservativer Haufen der dieses
00:19:24: Bild.
00:19:25: was Lisa gerade gesagt hat sag ich mal wenn man's überspitzen will.
00:19:30: Ich sage das absichtlich in Anführungsstrichen.
00:19:33: Alter weißer Mann konservativ auf jeden Fall auf die Spitze treibt und natürlich gibt es auch alte ältere Männer hervorragende fortschrittliche Gedanken haben.
00:19:43: Das ist auf jeden Fall so, nur ich kann sagen in der Hochschulrektorenkonferenz war jetzt nicht gerade die große Mehrheit wahnsinnig fortschrittlich wobei ich muss aber auch sagen Ich finde zum Beispiel dass der aktuelle das ja Rosenthal oft Statements Ja genau das er oft statements macht Die finde ich erstaunlich sind also dass er schon sich bemüht auch andere Blickwinkel zu sehen und das finde ich zb eine sehr positive Entwicklung.
00:20:09: Kurze Nachfrage nochmal.
00:20:10: Muss man nicht aber auch sagen, Girardin dass du dann manchmal vielleicht für so eine doch ich nenne sie jetzt mal vorsichtiger Nicht-Ganz-Reform freudige Organisationen zu sehr mit dem Kopf durch die Wand wolltest?
00:20:24: und das ist relativ klar war Dass das kracht und dass es auf eine gewisse Weise auch auf der Ebene der TU galt Dass Du einfach auch Reaktanz erzeugen musstest So wie Du vorgegangen bist?
00:20:37: Ja, also sicher auch das und das reflektiere ich natürlich auch stetig.
00:20:42: Also grundsätzlich dachte ich eigentlich als wir gestartet sind als Team Und in Teilen ist es ja auch so geblieben.
00:20:49: In Teilen dann leider nicht dass Wir eigentlich ein sehr gutes diverses team waren.
00:20:52: also zum Beispiel Christian Schulder Als man viel zu präsident verlehre mit dem konnte immer wunderbar diskutieren und der hat auch mir gesagt sterilin jetzt Kommt kommt mal runter gegenseitig gut korrigieren und das war eigentlich sehr gut.
00:21:07: Und so ist es auch, wie ich mir das wünsche, dass man in einem kollegialen Team zusammenarbeitet und sich dann eben auch gegenseITich korrigiert.
00:21:14: Was aber natürlich nur funktioniert wenn man sich gegenseItich vertrauen kann und es nicht hinten rum irgendwelche Renngeschmiede gibt was dann am Ende einfach so war.
00:21:21: Was natürlich nicht andersherum heißt, dass Ich alles richtig gemacht habe und natürlich Es ist eher mein naturell vielleicht einmal zu direkt zu sein.
00:21:30: gleichzeitig erlebe ich auch Also in meiner Wahrnehmung gibt es sehr, sehr viele Leute die zu sehr problematischen Entwicklungen viel zu oft schweigen.
00:21:38: Und insofern war's immer mein Anspruch lieber einmal so oft was zu sagen als einmal zu wenig.
00:21:43: aber sicherlich wenn man es strategisch überlegt und du mich vielleicht auch fragst was würdest du anders machen dann gibt das sicherlich Momente wo ich sage dass hätte ich vielleicht im Sinne der Sache auch anders angehen sollen.
00:21:53: das ist schon richtig.
00:21:55: Vielleicht also wir gehen gleich weiter weil jetzt möchte ich doch noch mal nachhaken da Was würdest du anders machen?
00:22:01: Ist die eine Frage, wo ärgerst Du Dich vielleicht über Dich selber?
00:22:04: und da feiern einem natürlich sofort die Tweets ein.
00:22:07: Das Liken... Da haben sich ja viele daran festgebissen vielleicht auch Gerardin.
00:22:13: Aber ganz ehrlich Wo hast Du DICH über dich selber geärgert in Deiner Amtszeit?
00:22:16: Nein
00:22:17: also dieser eine Tweet war natürlich... Also dafür habe ich mich jetzt um Verzeihung gebeten.
00:22:23: Dieses Hakenkreuz hab' ich eben nicht gesehen.
00:22:26: Die eine Tatsache wie die ich immer wieder betont habe.
00:22:30: Grundsätzlich kann man sich natürlich so ein bisschen fragen, ob und wie sollte man auf Social Media unterwegs sein.
00:22:36: Ich habe aber jetzt für mich erst mal entschieden nicht mehr auf Social media unterwegs zu sein andersrum.
00:22:41: Und das ist auch eine Sache die ich schon so etwas kontrovers mit Lisa diskutiert habe.
00:22:45: Also Lisa zeigt ja gerade dass es das auch braucht und es ist auch irgendwie ein bisschen absurd, dass man sagt Ja warum sollte es jetzt auf Ebene von UniversitätspräsidentInnen nicht mehr gehen?
00:22:57: oder warum sollte es auf Ebene von der Universitäter PräsidentInnen nur noch Tweets geben, die irgendwie die Eröffnung von neuen Forschungsbauten zeigen.
00:23:04: Also es könnte ja schon auch trotzdem um Inhalte geben.
00:23:07: Nichtsdestotrotz also ich bin da sicherlich eine Zeit lang zu Lachs gewesen und habe das ja auch geändert.
00:23:14: Trotzdem ist es natürlich auch in Medien wo man viele erreicht.
00:23:18: Also ich finde es nicht so eindeutig zu beantworten, also jetzt generell für Menschen im öffentlichen Leben wo da die Linie zu ziehen ist.
00:23:27: Generell sieht man ja aber dass das einfach wahnsinnig toxisch ist und auch anderen Menschen passiert, dass sie über ihre Social Media Aktivitäten Skandale erzeugen in die Öffentlichkeit gezogen werden.
00:23:38: Ich kann nur noch mal sagen, dass grundsätzlich an meiner Uni dieses Thema ... eines Antisemitismusvorwurf gegen mich eigentlich selbst von denen, die mich stark bekämpft hatten.
00:23:48: Eigentlich nicht geteilt wurde und es dann eher um eine Kritik... ...um meine generelle Außenwirksamkeit ging.
00:23:55: Und das muss man vielleicht auch nochmal differenzieren.
00:23:57: Lisa, dein Take an die Rolle einer Hochschulpräsidentin in der Öffentlichkeit?
00:24:02: Die Kommunikation?
00:24:04: Auch da Gerardina ja schon ein bisschen vielleicht vorweggenommen wie da deine Position sein könnte wenn sie sich richtig dargestellt hat.
00:24:13: Also, ich würde sagen alle HochschulpräsidentInnen ab auf Social Media vielleicht vorher noch einen kleinen Workshop machen zu dem was eigentlich gute Hochschulkommunikation ist.
00:24:23: Damit meine ich jetzt nicht diesen achtzehn-Punkte-Plan meinetwegen von Wissenschaft im Dialog machen weil sonst wird es zu unauthentisch und zu strategisch.
00:24:33: dann verliert man den Vibe und die Menschen merken sehr schnell wenn man unauthentisch ist und wenn man so gezwungen ist.
00:24:38: aber ich meine HochschulpräsidentInnen sind ja viel stärker objektiv weiß genormter also im Sinne von so so so schleiern die Figuren, die ich überhaupt nicht greifen kann.
00:24:51: Und ich würde mir so sehr wünschen einfach mal zu wissen was macht eigentlich ein Hochschulpräsident in den ganzen Tag?
00:24:56: Ich weiß nicht was Julia vom Blumenthal den ganzen tag macht!
00:24:58: Ich habe keine Ahnung.
00:24:59: sie managed das hier irgendwie... Also irgendwas das hier in dem Gebäude, in dem ich arbeite.
00:25:04: Aber was sie so den ganzen Tag macht mit, was er sich beschäftigt, Tag einen Tag aus habe ich keine Ahnung.
00:25:10: wer gehört eigentlich zu dem ganzen Stab dazu?
00:25:13: Was entscheiden die?
00:25:14: Ich fand es so spannend von Geraldine zu hören wie das interne Team mit ihr zusammen verschiedene Baustellen und mein wegen auch Not Wasserstandsmeldungen gelöst haben, aber das kriegst du ja nicht mit.
00:25:27: Da kriegste am Ende nur so eine Pressemitteilung vom Hochschulpräsidium, aber du kennst den Prozess nicht und ich glaube gerade, weil Hochschulen immer mehr Vertrauen verlieren in die Gesellschaft wäre ... Das ist auch schon ein wichtiger Punkt, mal so ein bisschen mehr Prozesskommunikation.
00:25:44: Auch von Hochschulpräsidenten auf Social Media nach außen zu tragen und nicht nur X oder Mastodon, also nicht nur diese reinen Micro-Blogging Sachen sondern das ist ja eher auch schon wieder so eine Inner Circle Austausch, sondern wirklich da wo man auch den Onkel von nebenan erreichen kann und dass es eben auf Social media.
00:26:05: aber Ich glaube vorher wäre so ein kleiner Crashkurs ganz gut.
00:26:08: Was sieht man eigentlich, wenn man was macht?
00:26:10: Wenn man liked oder reposted taucht das auf, taucht es nicht auf.
00:26:15: Was kommt gut an?
00:26:17: Ich stelle mich immer gerne bereit für ein paar Workshops zum Thema Wissenschaftskommunikationen.
00:26:21: Das Ding ist bei mir aber ich mache den Bumps vor allen Dingen weil er mir Spaß und Freude macht und weil mir das Herz dabei aufgeht.
00:26:26: also ich habe nie eine große Strategie dahinter sondern ich mach's mal was mir wirklich freudemacht Und das kommt glaube auch gut an wenn man als Belastung wahrnimmt Dann sollte man es lieber lassen.
00:26:36: Mal gucken, vielleicht kriegst du jetzt ja nach dem Podcast ganz viele Nachfragen von Hochschulpräsidentinnen die einen Workshop bei denen machen wollen mit dem klaren Angebot was du gerade gemacht hast.
00:26:47: aber das geht dir ja wiederum an der Stelle eigentlich um zwei Dinge um Rückbindung ein Stück weit und um Transparenz.
00:26:54: was macht ihr eigentlich?
00:26:55: Und dadurch vielleicht auch mehr Verständnis für manche schwierige Lage, in der auch dann natürlich jemand ist oder die Entscheidung treffen muss an der Hochschulleitung.
00:27:07: Ich würde gerne so im letzten Teil unseres Gesprächs ein bisschen die Flughöhe erhöhen und fragen Hochschulpolitik im Jahr zwanzig sechsundzwanzig.
00:27:16: Geraldine hat vorhin schon ein bisschen angedeutet es gibt vielleicht auch ein paar Rückschritte dieser sind wir weiter als vor zehn Jahren bei den Themen über die wir gerade besprochen haben Diversität Machtmissbrauch Transparenz oder haben wir Fortschritte gehabt, erleben gerade eine Gegenbewegung.
00:27:36: Wie würdest du oft sozusagen auf höherer Flughäbene die Situation gerade beschreiben?
00:27:43: Also ich glaube, ich fände es ein bisschen vermessen mit fünf und dreißig jetzt schon rückblickend den letzten zehn Jahre gut begreifen zu können.
00:27:50: Ich habe mal darüber nachgedacht.
00:27:51: also ich habe zwei tausend siebzehn angefangen wissenschaftliche Mitarbeiterin zu sein nach meinem Studium.
00:27:56: das heißt so ein bisschen bin ich jetzt zehn Jahre im System.
00:28:01: Also, ich habe darüber nachgedacht und es fühlt sich für mich nicht nach Fortschritt an.
00:28:05: Es fühlt für mich ein Stück weit nach Stillstand und ein Stück weiter nach Rückschritt an den Stillstand.
00:28:10: Nach wie vor immer noch die die fehlende Bereitschaft in die Arbeitsbedingungen oder bessere Arbeitsbedienung von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen oder der Energie reinzustecken.
00:28:19: Rückschritt sehe ich gerade sehr mit Blick auf die Priorisierung von Bildung von Wissenschaft Mitblick auf die Ausgestaltung und Ausfinanzierung.
00:28:28: Rückschritt sehe ich auch gerade sehr, was Gleichberechtigung und Teilhabe angeht.
00:28:34: Das, was irgendwie vor fünf Jahren noch selbstverständlicher war habe ich Gefühl muss jetzt gerade wieder mühsam zurückerkämpft werden wenn es um Diversität geht, die Rechte und die Menschenwürde geht.
00:28:48: Und finde auch Stillstand nach wie vor, dass Studierende weiterhin keine Lobby haben.
00:28:55: Also selbst als ich noch studiert habe und wenn ich jetzt mit meinen Studierenden spreche, wie die eigentlich Hochschule wahrnehmen, Studium wahr nehmen, wie Gesellschaft auf sie blickt, da hab' ich jetzt keinen Unterschied dazu gemerkt, wie ich mich damit selber wahrgenommen habe.
00:29:07: Und ich hab auch überlegt wo es einen Fortschritt gibt!
00:29:12: Ich bin ja immer ein sehr positiver Mensch und würde ja immer gerne auch mit so einer empowernden Botschaft rausgehen habe ich eigentlich nur einen Punkt, nämlich der Fortschritt.
00:29:22: Dass sich immer mehr Menschen solidarisieren und sagen so geht es nicht weiter.
00:29:27: also dass man immer mehr den Mut hat und auch die Kraft hat dagegen aufzustehen das laut zu machen das zu thematisieren auf die Straße zu gehen.
00:29:39: Und das ist aber irgendwie leider der einzige Fortsschritt, den ich gerade im Kopf habe.
00:29:43: Vielleicht Geraldine bist du positiver blickend und hast noch mehr Fortschritte, die ich vielleicht gerade nicht sehen kann.
00:29:53: Hast Du Geraldin?
00:29:54: Nein, ich bin tatsächlich auch eher pessimistisch.
00:29:58: Ich teile die Punkte von dir Lisa im Prinzip alle.
00:30:02: Wissenschaftszeitvertraggesetz ist gescheitert mit der Ampelregierung und alles, was man hört.
00:30:08: Was jetzt kommen soll wird das hinter der ersten Version die ja schon stark kritisiert war zurückbleiben wenn es denn überhaupt mal kommt.
00:30:16: selbst die SPD fordert inzwischen in Berlin wieder Militärforschung einzuführen und Zivilklauseln zu streichen.
00:30:25: Studentische Mitbestimmung hast du genannt, Lisa.
00:30:27: Also ich kann nur sagen an der TU wurde ja irgendwie im Unterschriftenlauf schon die Viertelparitätische Wahlkonvent am Ende gekippt weil wie soll das anders sein?
00:30:36: Zehn Professoren einen Brief geschrieben haben da kann man sich auch mal über die Macht verhält dass sie Gedanken machen.
00:30:42: dann überhaupt die Frage was dürfen Studierende auf dem Campus wer greift wann wo?
00:30:46: ein?
00:30:47: Polizeimedienpolitik?
00:30:50: also.
00:30:51: es gab ja neulich tatsächlich Ich finde ganz spannend ein Artikel im Research Table zum Wahlprogramm der AfD für Berlin.
00:30:59: Und da standen im Wesentliche diese Punkte drinnen, irgendwie Verschärfung des Ordnungsrecht mit die Terforschung keine studierenden politischen Aktivitäten mehr auf dem Campus und Verstärkung der Professorinrechte.
00:31:12: Und ich dachte irgendwie das ist doch eigentlich alles was jetzt gerade passiert ist unter CDU, SPD in den letzten vier Jahren.
00:31:18: Also es ist schon keine Entwicklung wo ich irgendwie denke dass Prinzip von Teilhabe oder wir denken an das Papier von der Leopoldina, wo irgendwie plötzlich Diversitätsbeauftragte als bürokratische Monster gesehen werden.
00:31:30: Da denke ich mir nur so habt ihr sie noch alle?
00:31:32: Das kann doch wohl nicht wahr sein und ich muss leider-leider sagen jetzt also dass ich es noch nicht so sehr erlebe so große Bewegungen dagegen gibt, sich da aufzulehnen.
00:31:45: Weil ich glaube es gibt immer noch sehr viele die in ihrer privilegierten Bubble sagen ach wird schon alles nicht so schlimm und irgendwie geht's an mir vorbei und halt nicht sehen dass wir schon mitten im Rechtsruck drin sind.
00:31:58: das ist halt überhaupt nicht klar wie es weitergeht.
00:32:01: Die Finanzierung hat Lisa gerade gesagt.
00:32:03: also ich glaub dazu braucht man aktuell nichts sagen.
00:32:04: ja das ist ja gerade in Berlin sehr sichtbar was es für ein Drama ist, wie der Senierungsstau sich auswirkt.
00:32:12: Also und einfach das Wissenschaft nicht mehr als Priorität wahrgenommen wird sondern eher so als lästige Akademiker in die halt irgendwie vielleicht auch nochmal einen anderen Gedanken haben, der nicht konform ist.
00:32:23: Das sind schon alles Gedanken, die mir sehr Sorgen machen und übrigens auch gesamtgesellschaftlich denn ich glaube wir haben jetzt gerade neben der Frage Wie machen wir Wissenschaftskommunikation ja irgendwie den Auftrag unserer Demokratie zu erhalten, gegen rechtsextreme Kräfte anzukämpfen und nicht uns den Rechtsextremen Kräften irgendwie anzupassen.
00:32:42: Und ja also ich hoffe einfach... Ich hoffe das was Lisa sagt dass sich alle Gruppen die da wirklich etwas tun wollen und nicht nur zugucken wollen, sich wirklich solidarisieren und mal was machen!
00:32:54: Ich habe dann noch zwei Gedanken zu vielleicht doch noch einen positiven Fortschritt.
00:32:57: Blick NRW Hochschulstärkungsgesetz.
00:32:59: Ich finde ganz stark, wie engagiert dort die PolitikerInnen sind, die das durchziehen obgleich der doch sehr kritischen Stimmen.
00:33:07: und der zweite Punkt nochmal wegen Diversität.
00:33:10: ich habe wirklich das Gefühl dass wir immer mehr uns davon weg bewegen Diversität ja letztlich bedeutet, wir können wirklich die besten finden.
00:33:20: Weil aktuell ist es eher wenn wir uns davon ab oder sagen wir wollen keine Teilhabe mehr und keine Gleichberechtigung mehr, dann ist es am Ende nur noch eine Auslese der Privilegiertesten So einen großen Zusammenhang zwischen sozialer Ungerechtigkeit oder zwischen der sozialen Herkunft und Leistung.
00:33:41: Und das würde ja das weiter nur noch befeuern, auch so gesamtgesellschaftlich macht man es auch wirklich Sorgen.
00:33:47: Beispiel NRW Hochschulstärkungsgesetz.
00:33:50: eigentlich ganz interessant dass dort eine CDU-Ministerin diejenige ist sie dieses Thema sehr stark nach vorne treibt was eben auch zeigt wenn wir über Macht, Machtmissbrauch vielleicht auch weniger Machtkonzentration die Debatte sprechen, das ist dann gar nicht unbedingt nur eine Frage von links-rechts.
00:34:10: Es ist auch ne Frage von Aufmerksamkeit und Beachtung des Themas ein Stück weit auch von Konsequenz bei dem Thema.
00:34:18: Das finde ich vielleicht noch mal ganz wichtig dass es an der Stelle um Verantwortlichkeit ein Stück weiter geht.
00:34:26: Geraldine du hast jetzt natürlich schon indirekt das Thema angesprochen wo es in Berlin relativ viel Kontinuität gibt und das ist der Zustand der Gebäude.
00:34:36: Und da an der Stelle haben wir jetzt gesehen, dass das TU Hauptgebäude erneut geschlossen werden musste.
00:34:45: Diesmal komplett geschlossen werde müsste erhebliche Baumengel.
00:34:48: man sah Menschen die mit Kisten und Pflanzen ausgezogen sind.
00:34:52: Das hat ja auch irgendwie was Symbolisches an der stelle.
00:34:55: auch dass Die Räume des Präsidiums sind dicht.
00:35:01: Ich weiß nicht, wie lange das noch dauert.
00:35:03: Vielleicht wenn der Podcast erscheint ist auch schon wieder alles wunderbar.
00:35:06: mal sehen was zeigt das für dich?
00:35:10: und wir müssen jetzt auch kein Spiel der Schuldverschiebung wer es schuld wäre mehr Schuld spielen.
00:35:18: wofür steht das für Dich?
00:35:19: Und bist du froh dieses Thema los zu sein?
00:35:23: also erstmal muss ich sagen dass es mir natürlich ist herzbericht diese Bilder zu sehen und alle die da jetzt beteiligt sind und betroffen sind einfach, also das macht mich wirklich traurig und ich hoffe dass alle gut unterkommen.
00:35:37: Ich habe auch schon ein paar Kolleginnen kontaktiert ob man nicht irgendwie zusammenrücken kann in Rheuma anbieten kann.
00:35:42: aber erst mal ist es natürlich wirklich tragisch und das finde ich erstmal sehr sehr traurigt, dass jetzt im aktuellen Medial das genau wie du sagst es geht irgendwie um Schulzuweisung uns mit weniger gesehen.
00:35:53: was für krasse Einschränkungen das für individuelle hat da mehr studierende Teilweise geheult weil sie ihre Abschlussarbeiten in Gefahr sehen und so.
00:36:00: Und das ist wirklich, also es ist halt einfach ein Drama.
00:36:04: Also du hast völlig recht jetzt schuldzuweisung bringt's halt überhaupt nicht weil keiner der jetzt in irgendeiner Form am Tierenden hat jetzt an diesem aktuellen, also kann für diese aktuelle Entwicklung jetzt was?
00:36:16: Denn das sind alles Sachen die haben sich über Jahrzehnte entwickelt.
00:36:20: Das ist halt auch keine... Es ist auch so ein bisschen absurd wenn man jetzt darüber redet ja wir haben vor Ostern Hilfe angeboten oder so.
00:36:25: Weil das sind ja Dinge die sich seit Jahren aufgestaut haben.
00:36:30: Und leider ist es, also es gibt ein paar sehr gute Beiträge, die das Thema gut beleuchten aber es ist auch ein komplexes Thema weil... Also es ist nicht nur eine Frage von mangelndem Geld, sondern es ist ja auch eine Frage wie kann man Sanierungen überhaupt beantragen?
00:36:44: Wer entscheidet das?
00:36:47: Also grundsätzlich ist es so dass jede größere Hochschulsanierung muss in der Investitionsplanung angemeldet werden und da entschieden werden.
00:36:53: Da nichts mehr bewilligt worden, das ist angesichts der Haushaltslage auch irgendwo wieder verständlich aber es natürlich schon auch schwierig.
00:37:02: Dann ist es so dass es Gelder für Bauunterhalt gibt aber es gibt halt kaum Fachtechniker die das umsetzen können.
00:37:08: und wenn man wir reden ja jetzt gerade hier nur über Brandschutzmängel Es gibt aber natürlich auch noch Schadstoffe und alle möglichen anderen Sachen die jetzt hier gerade überhaupt nicht betrachtet werden sodass wenn man eine gesamte Liste machen würde was an den TU Gebäuden nur auf dem Hauptcampus alles dringend repariert werden müsste, wäre das sicherlich ein Punkteplan mit vielen tausend Punkten den Vierfachtechniker in vielen Jahren nicht abgearbeitet kriegen.
00:37:33: Und deswegen ist auch diese Frage wusste man das vorher und wer hat jetzt da versagt?
00:37:38: Das ist völlig falsch!
00:37:39: Weil natürlich wussten wir alle vorher dass die Situation schlecht ist und wir haben alle versucht um die jetzige Präsidium mit Sicherheit auch
00:37:48: Punkte
00:37:49: abzuarbeiten und das gelingt ja teilweise auch.
00:37:51: aber es David gegen Goliath-Ding, man kommt da nicht mehr gegen an.
00:37:55: Es ist zu viel und jetzt zeigt es sich halt in einer sehr drastischen Weise und ich würde mir einfach wünschen dass jetzt Politik und natürlich auch die Hochschulpräsidentin – das passiert ja auch teilweise als ich hinsetze und sage was machen wir jetzt?
00:38:08: Wo kriegen wir Ersatzflächen?
00:38:10: gibt es jetzt vielleicht doch noch kurzfristiger Möglichkeiten entweder Fachtechniker zu engagieren oder auch Gelder lockerzumachen Welches Gebäudes als nächstes trifft?
00:38:21: das ist so ein bisschen pingpong.
00:38:22: Wir haben jetzt alle nicht damit gerechnet, dass es gerade das Hauptgebäude jetzt so schnell ist aber zwar auch nicht ausgeschlossen aber ehrlicherweise wird auch nicht das letzte Gebäude sein was dieses Jahr zugeht und insofern... Also die Ampel ist hier wirklich auf rot und deswegen geht's jetzt darum zusammenzuarbeiten und zu sagen was können wir tun?
00:38:38: Und es ist halt wirklich schade dass es jetzt medial in so einem Schulzubeisungs-Pingpong ausgeartet ist.
00:38:47: Ich meine das ist ein ganz wichtiger Punkt wie du sagst Aktuell.
00:38:50: von denenjenigen die verantwortlich Verantwortung tragen ist in dem Sinne keiner und keine wirklich.
00:38:56: Verantwortlich auch diese Natur nicht, die hat ja auch nicht den Sanierungstau der letzten drei
00:39:01: Jahre
00:39:02: zu verantworten.
00:39:03: aber alle sind jetzt irgendwie verantwortlicht da wieder rauszukommen Und nicht zu sagen mein Gott das Ding ist so komplex wir können es nicht wobei Das frage ich mich Lisa ob dass nicht eigentlich doch was sehr symbolisches hat das ganze weil es doch dafür steht Welche Anerkennung, welche Stellung Hochschule Universität Bildung unserer Gesellschaft hat.
00:39:27: Und das heißt aber umgekehrt auch wenn das so ist dass wir kaum Weg raus haben weil auf die Weise wäre eigentlich eine ganz grundsätzliche gesellschaftliche Frage sprechen nicht über Bauaufsicht nicht über eine Senatorin, die mehr oder weniger tun könnte.
00:39:42: Nicht über eine Hochschulleitung, die wer tun könnte?
00:39:44: Wir reden darüber dass das vielleicht weiten Teil in der Gesellschaft ziemlich egal ist.
00:39:47: Fragezeichen
00:39:49: Ich weiß nicht ob es am Ende einer aufs der gesellschaft egal ist weil am ende ich weiß nicht geradin wie viel studierende hat die tu
00:39:58: ... ungefähr?
00:40:00: Vierunddreißigtausend.
00:40:01: wahrscheinlich haben einige davon auch Familien in Berlin, das heißt und auch diesen Teil der Gesellschaft.
00:40:06: Also ich glaube schon auch dass es ja überhaupt nicht egal ist was damit ihren Kindern mit ihren Schwestern Brüdern Geschwistern Freundinnen passiert.
00:40:15: Das was sich schon betrachte oder schon sehe ist, dass wie Geradines auch schon so gut zusammengefasst hat wir haben einfach eine fehlende Priorisierung derzeit eben von Hochschule und ich will mich jetzt also Eigentlich will ich eher auf einen anderen Punkt hinaus, nämlich ja wir können immer von vielen der Priorisierung sprechen aber... Manchmal wünsche ich mir, dass die Menschen dahinter viel stärker auch medial sichtbar gemacht werden.
00:40:38: Also was das konkret für die Menschen heißt wenn Hochschule, wenn Bildung weniger Priorität bekommt?
00:40:43: Das hat ... Ich glaube, ich habe das Gefühl es ist zu so einer Nebelkerze geworden, sowas nicht greifbarem etwas, was so defus in den Medien umhergeistert und damit können die Menschen wenig was anfangen.
00:40:54: Was heißt denn?
00:40:55: weniger Prioritet, weniger Gelder?
00:40:58: Wenn Journalismus es noch stärker schaffen könnte wirklich da zu stellen, was das konkret bedeutet für die einzelnen Menschen.
00:41:06: Dann hat man vielleicht eine eigene Betroffenheit oder man fühlt sich empathisch mit der anderen Person und ist dann vielleicht auch geneigter, sich zu engagieren, sich einzusetzen für eine bessere Hochschulpolitik, für eine Bessere Bildungspolitik.
00:41:17: Denn das, was ja immer verkannt wird, ist, was dass am Ende für Konsequenzen haben wird langfristig?
00:41:25: Also klar haben wir jetzt gerade ein nicht funktionierbares TU-Gebäude.
00:41:30: Aber was bedeutet das, wenn Hochschulen so viele Millionen jetzt über lange Zeit einfach einsparen müssen?
00:41:35: Was bedeutet das zukünftig für – und das kann man verschiedene Aspekte sagen – Teilhabe, Chancengerechtigkeit für den Wissenschaftsstandort?
00:41:43: in Anführungsstrichen ist ja gerade wirklich noch mit den aktuellen Kürzungen.
00:41:47: Was bedeutet es für den zukünftigen Fachkräftemangel, die Qualität der Lehre für die Möglichkeit von Menschen sich überhaupt in Hochschulen engagieren zu können, immerhin bilden Hochschulenkünfte und Geführungskräfte aus.
00:42:00: Auch das wiederum wird sich dann niederschlagen in anderen Bereichen.
00:42:03: also ich würde mir wünschen weniger vielleicht einen solchen Phrasen uns zu verlieren sondern ganz konkret zu sagen was bedeutet das damit dann die Gesellschaft vielleicht ein bisschen stärker auch begreift welche Folgen das ganz konkret haben könnte?
00:42:17: Und vielleicht kann ich es noch ergänzen denn ganz wichtig, dass wir gesamt haben.
00:42:23: Also auch die Politik aber natürlich auch die Hochschulleitung und alle, die da arbeiten und wirken eben sehen das wir langfristiger planen müssen.
00:42:31: also jetzt denken alle so oh Gott wie kriegen wir das Hauptgebäude schnell wieder auf?
00:42:35: Aber das Haupt Gebäude wird nicht in kurzer Zeit in einem guten Zustand zu versetzen sein.
00:42:43: Und das gilt wahrscheinlich für ganz viele andere Gebäure auch.
00:42:45: Das heißt das ist jetzt eh nur Flicken im Nachhinein.
00:42:48: Ähnliches gilt es mit den Finanzen.
00:42:50: Also für die TU kann ich ziemlich sicher sagen, dass wir in wenigen Jahren im Defizit sein werden und alle Rücklagen weg sind.
00:42:55: und mit dem Defiziten liegt dann eine Hochschule ja letztlich auch wieder zu Lasten des Landes.
00:43:00: Das heißt das ist noch nicht mal ne Einsparung wenn's das nicht schafft die Struktur runterzufahren.
00:43:06: Und auch das ist sozusagen so eine langfristige Perspektive wo man sagen kann Wir können uns ja alle gemeinschaftliche hinsetzen und überlegen wie wir uns entwickeln oder ob wir kleiner werden.
00:43:14: aber Es muss irgendwie weiter gedacht werden als drei Monate im Voraus.
00:43:19: und es ist halt auch nicht nur eine Logik von Legislaturen, weder von Präsidentschaften jetzt an Universitäten noch von politischen Legislaturen.
00:43:28: Und also deswegen ist es zu einerseits nochmal so wichtig zu sagen das was heute sich mal nicht festiert ist ein Versagen vieler Jahrzehnte.
00:43:37: aber wenn wir einen Unterschied machen müssen müssen wir natürlich schon auch heute anfangen etwas anderes zu machen.
00:43:41: und gleichzeitig wenn man der TU heute akut helfen will Dann ist es eben nicht damit getan, einfach jetzt zu sagen... Also da geht's gar nicht mal nur darum, jetzt zu haben wir plötzlich Geld.
00:43:51: Sondern es geht eben dann darum... Jetzt kann man eigentlich nur sagen wo kriegen wir Menschen her die helfen vielleicht Sanierungen oder Reparaturen zu machen und das ist halt schwierig übrigens ja auch bei sein Stadt.
00:44:04: Die haben auch Schwierigkeiten oft ihre Sachen abzuarbeiten oder Ausflächen zu finden und eben hier Abhilfe zu schaffen.
00:44:16: Und ich teile Lisa's Einwand total, dass es einfach wichtig ist, hier empathie für die Menschen zu entwickeln.
00:44:22: Das tut mir wirklich weh wenn ich jetzt hier aktuelle Berichterstattung lese, dass wir so die Menschen aus dem Blick verlieren und ich glaube das wäre ganz, ganz wichtig.
00:44:32: Braucht Strategie?
00:44:33: Ist glaube ich das Entscheidende nicht nur irgendwie ein schnelles Flicken sondern eine Strategie wie langfristig und das andere ist Es braucht auch Journalismus der das leisten kann und leider erleben wir auch, dass gerade im Bildungs- und Hochschuljournalismus es kaum noch Leute gibt.
00:44:46: Und dadurch natürlich ist es auch schwieriger wird all das zu beschreiben was ihr gerade gesagt habt.
00:44:53: Gegen Ende unseres Gesprächs würde ich euch gerne noch eine Frage stellen die immer Stelle in meinem Podcast und viele spannende Antworten schon zusammengetragen habe.
00:45:04: Man kann sich immer vieles vorstellen und vieles wünschen, aber manchmal ist es auch ganz gut, sich zu fokussieren.
00:45:10: Und zu sagen wenn ich nur einen einzigen Wunsch frei hätte an die Hochschulpolitik, an die Bildungspolitik – nicht drei!
00:45:18: Nicht zehn!
00:45:19: Sondern ein einziger Jeredin.
00:45:22: Welcher wäre das?
00:45:25: Ja, ich würde glaube ich sagen
00:45:26: dass
00:45:27: wir alle Wissenschaft als Pfeiler der Demokratie begreifen Weil wenn wir das tun, dann sind damit eigentlich automatisch ganz viele Sachen von Finanzierung und Sichtbarkeit und so verknüpft.
00:45:41: Und auch Fragen wie bekämpfen wer Machtbesbrauch?
00:45:44: Weil Demokratie eben gerade das System ist dass alle Menschen gleich sind und mitbestimmen können.
00:45:52: Wenn wir dieses Prinzip von Empathie und Demokratie wirklich verinnerlichen ich glaube dann ist sozusagen die Basis gesehen ... für ganz viele Probleme, die wir heute auch schon diskutiert haben.
00:46:03: Vielen Dank Lisa!
00:46:04: Dein einer Wunsch?
00:46:07: Ich kann mich nicht entscheiden...
00:46:10: Dann nehmen Sie eins A und ein B.
00:46:14: Nein ich nehme glaube ich den der am wichtigsten ist nämlich dass er knüpft an Geradins Wunsche an, nehm' ich das gerade zur Zeit WissenschaftlerInnen aus vermeintlich falsch verstandener Neutralität sich zurückhalten.
00:46:24: Wenn es darum geht, sich auch politisch zu äußern, sich starkzumachen für unsere demokratische oder für unser Demokratie und da wünsche ich mir mehr Mut aber auch mehr Souveränität, mehr Unterstützung seitens der eigenen Hochschulen gerade auch wenn man zum Beispiel Wissenschaftskommunikation macht dass man da nicht mehr Steine in den Weg Also dass man da nicht mehr Steine in den Weg bekommt, gelegt bekommt als ohnehin schon und das man unterstützt wird wenn man sich politisch stark macht.
00:46:53: Das war Viada Wundertsich mit Jérardin Rauch und Lisa Niendorf.
00:46:56: vielen Dank euch beiden!
00:46:58: Danke!
00:46:59: Danke schön!
00:47:01: Ja und wenn Ihnen und Euch das Gespräch gefallen hat dann sagt es gerne in der Kommentarspalte, auch wenn euch was nicht gefallen hat.
00:47:08: Wenn ihr Anmerkungen habt, Hinweise, Kritik, Widerspruch und Ergänzungen.
00:47:14: Ich freue mich jederzeit über Ideen und Anregungen für weitere Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern und für Themen.
00:47:20: davon lebt dieser Podcast.
00:47:22: Und apropos Leben!
00:47:23: Ich hoffe Ihr seid beim nächsten Mal wieder dabei, wenn es heißt Viada wundert sich.
00:47:28: bis dahin macht's gut auf Wiederhören.
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