Wiarda wundert sich_24_Krach
Shownotes
MIT DEM MANN, auf dessen Amt er es abgesehen hat, teilt Steffen Krach ein Hobby. Wie Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner spielt auch der SPD-Spitzenkandidat leidenschaftlich gern Tennis. Auch gegeneinander? "Würde ich sofort machen", sagt er und fügt süffisant hinzu: "Aber nur, wenn kein Stromausfall ist."
Womit Steffen Krach, im Podcast "Wiarda wundert sich" zu Gast, zielsicher auf Wegners bislang größten Fehltritt angespielt hat: den Samstagmorgen im Januar, als Hunderttausende plötzlich ohne Strom und Heizung waren, der Regierende trotzdem Tennis spielen ging und danach zunächst behauptete, er habe sich den ganzen Tag im Büro eingeschlossen.
Steffen Krach wiederum hat seine eigenen Probleme im langsam Fahrt aufnehmenden Wahlkampf. Das historisch schlechte Abschneiden der SPD bei den baden-württembergischen Landtagswahlen zum Beispiel oder der Balanceakt, den es erfordert, Wechselstimmung zu erzeugen, wenn die eigene Partei gleichzeitig Wegners Koalitionspartner ist und in den Umfragen zurückliegt. Wie er damit umgeht, erzählt er im Gespräch mit Jan-Martin Wiarda.
Der 46-Jährige Krach ist ein Berlin-Rückkehrer. Die Politikszene der Hauptstadt kennt ihn als langjährigen Staatssekretär für Wissenschaft zwischen 2014 und 2021. In diese oft als "Goldene Zeit" der Berliner Wissenschaft bezeichneten Jahre fielen Projekte wie die Berlin University Alliance, die Fusion des Berlin Institute of Health mit der Charité und der Aufbau neuer Forschungsstrukturen. Besonders wichtig ist Krach bis heute die Gründung des Deutschen Herzzentrums an der Charité. "Das war ein langer Kampf", sagt er rückblickend.
Hat die Stadt auch Lust auf Krach?
Nach sieben Jahren im Berliner Senat wechselte Krach 2021 zurück in seine Geburtsstadt Hannover und wurde Regionspräsident der Region Hannover mit rund 1,2 Millionen Einwohnern. Dort war er unter anderem für Nahverkehr, Gesundheitsversorgung und berufsbildende Schulen zuständig. Was treibt ihn wieder nach Berlin? "Ich habe über 20 Jahre hier gelebt, hier geheiratet, meine Kinder sind hier geboren", sagt er. Die Familie sei inzwischen wieder in die Hauptstadt gezogen, und er habe "Lust auf diese Stadt".
Hat die Stadt auch Lust auf Krach? Es komme darauf an, sagt er, die richtigen Themen im Wahlkampf zu setzen. Als wichtigste Punkte nennt er bezahlbaren Wohnraum, Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und die Funktionsfähigkeit des Staates. "Es sind bestimmte Dinge dysfunktional in dieser Stadt", sagt er. Dass die SPD derzeit nicht vorne liegt, sieht er als Ansporn: "Mich reizt schon so eine Ausgangssituation, dass alle glauben, man hat keine Chance."
Und was ist mit Bildung und Wissenschaft? Im Wahlkampf, sagt Krach, würden diese Politikfelder vermutlich keine große Rolle spielen. Aber dafür eine "entscheidende", wenn er Regierender Bürgermeister sei: Für die Zukunftsfähigkeit der Stadt sei die Wissenschaftspolitik zentral.
Zwischen Lavieren und klarer Kante
Es ist dieses Einerseits-Andererseits, das sich an verschiedenen Stellen durch das Gespräch zieht. Auffällig wird das besonders, wenn Krach, der sonst so gern zuspitzt, plötzlich ins Lavieren kommt. Die Kürzungen bei den Hochschulen täten weh, sagt er, schiebt aber angesichts einer SPD-Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra sofort hinterher, das sei "kein Vorwurf an die handelnden Personen" angesichts der schwierigen Haushaltslage. Dennoch: "Die Wissenschaft hat gelitten, die Kultur hat auch gelitten, und das sind zwei Bereiche, die zu den absoluten Stärken Berlins gehören."
Sein Ziel für die nächste Legislaturperiode sei, "dass wir diese Bereiche wieder stärken". Dass Berlin in der Exzellenzstrategie nicht mehr die meisten Cluster habe erringen können, habe ihm "schon wehgetan". "Hier ist Bayern an Berlin vorbeigezogen. Das müssen wir wieder ändern." Gerade in der Wissenschaft seien die Chancen im Moment riesig, auch international weiter nach vorn zu kommen. Auch bei der künftigen Rolle der Wissenschaft im Senat legt er sich nicht fest. Ob Forschung wieder enger an die Senatskanzlei angebunden werden solle wie früher, lasse sich jetzt nicht sagen, "da gibt es verschiedene Varianten".
Umso klarer zeigt Krach in der Bildungspolitik Kante. Kein Wunder, hier kann er gegenüber einer CDU-Bildungssenatorin voll aufspielen. Das größte Problem, sagt er, sei der Mangel an ausgebildeten Lehrkräften und der bauliche Zustand mancher Schulen. Sehr deutlich spricht sich der Vater dreier Jungs im Kita- und Grundschulalter für ein Handyverbot an Grundschulen aus. Handys hätten dort "nichts zu suchen." Und ein Social-Media-Verbot für Jugendliche? "Ich bin dafür, wäre auch offen, ob man das jetzt bis 14 oder bis 16 macht." Aber natürlich müsse die Frage beantwortet werden, wie man ein solches Verbot effektiv umsetze.
Ein Gespräch über Krachs Zeit in Hannover, sein Faible für die Wissenschaftspolitik, verloren gegangenes Vertrauen in den Hochschulen – und seinen festen Vorsatz, "über 20 Prozent zu holen und Platz eins zu haben".
Nein, zu wenig demonstratives Selbstbewusstsein kann man Krach nicht vorwerfen. Auch nicht beim Tennis. "Ich glaube", sagt der Herausforderer von Kai Wegner, "ich würde ihn schlagen – genauso wie bei der Wahl am 20. September."
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