Wiarda wundert sich_22_Lin-Klitzing
Shownotes
SUSANNE LIN-KLITZING ist Gymnasiallehrerin, beurlaubte Professorin für Schulpädagogik – und seit 2017 Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands. Im Gespräch mit Jan-Martin Wiarda fällt ihr Kernsatz früh: Wenn es um die Lehrkräftebildung gehe, sei viel von Werten, Diversität und Demokratie die Rede. Aber solange die konkrete Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz nicht verbindlich im Studium festgeschrieben werde, sei das "Stricken ohne Wolle". Lin-Klitzing erklärt, warum angehende Lehrkräfte Artikel 1, 3 und 7 nicht nur kennen, sondern in Fallbeispielen durchbuchstabieren sollten: Was heißt das im Schulalltag – erst recht, wenn der politische Druck von rechts wächst?
Ein freundliches-direktes und zugleich scharfes Pingpong zwischen Interviewer und Interviewter gibt es auch beim Thema Beamtentum. Konfrontiert mit Fragen nach Kosten, Pensionslasten und dem Interessen der Öffentlichkeit, verteidigt Lin-Klitzing den Beamtenstatus nicht als Privileg, sondern als Funktionsbedingung eines Systems mit Schulpflicht und staatlicher Aufsicht – inklusive Streikverbot.
Der Gesprächsbogen spannt sich vom Rückblick auf die Corona-Zeit und die Rolle der Lehrerverbände über die Rolle von Kita und vorschulischer Förderung bis hin zum Buzzword der "datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung" – und endet, wenig überraschend für ein Gespräch mit der Philologenverbandsvorsitzenden, bei der Rolle des Gymnasiums: historisch, kulturell – und in der Schulwelt von heute. Siegt das Gymnasium sich zu Tode? Und was ist mit der Debatte um verbindlichere Grundschulempfehlungen und die soziale Schieflage beim Übergang?
Eine Stunde Podcast über Lobbyarbeit, Wissenschaft, Grundgesetz, Schulrealität – und eine föderale Bildungspolitik, die den Paradigmenwechsel beschwört.
Neuer Kommentar